Stark im Meeresschutz: BBNJ Jugendnetzwerk

Das BBNJ-Jugendnetzwerk (BBNJ Youth Network/BYN) ist ein internationales Netzwerk bestehend aus jungen Menschen, die sich politisch für den Schutz der Hochsee stark machen. Es wurde erst kürzlich gegründet. Anlass sind die zur Zeit stattfindenden Verhandlungen der Vereinten Nationen über ein globales Abkommen zum Schutz der Hochsee. Ein solches BBNJ-(Biodiversity Beyond National Jurisdiction)-Abkommen ist dringend notwendig. Denn die Hochsee liegt derzeit außerhalb nationaler Gerichtsbarkeit (Areas Beyond National Jurisdiction/ABNJ). Damit ist sie für nicht nachhaltige Ressourcenausbeutung geradezu prädestiniert.

Das BBNJ-Abkommen

Im April 2018 begannen die Verhandlungen der UN für ein stärkeres Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt und der Gestaltung einer nachhaltigen Nutzung der Bereiche der Ozeane, die außerhalb nationaler Grenzen liegen (engl. Biodiversity Beyond National Jurisdiction/BBNJ), auch bekannt als Hochsee.

Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen/UNCLOS

Formal finden die Verhandlungen unter dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (engl. UN Convention on the Law of the Sea/UNCLOS) statt, welches sämtliche Nutzungsarten der Meere regelt.

Verbindliche Ziele zum Erhalt der Artenvielfalt in der Hochsee ohne Beteiligung der Jugend?

Stark im Meeresschutz: das BBNJ Jugendnetzwerk - Korallenriff in der Phoenix Islands Protected Area (PIPA)

Foto: pipatrust.org

Das BBNJ-Abkommen wird rechtlich verbindliche Ziele zum Erhalt der Artenvielfalt in der Hochsee enthalten. Es soll final im August dieses Jahres verabschiedet werden.

Ähnlich wie beim Pariser Klimaschutzabkommen oder der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) werden anschließend regelmäßig internationale Konferenzen stattfinden.

Jedoch im Gegensatz zu diesen aktuell ohne Einbezug der Jugend als anerkannte Delegierte, wie sie zum Beispiel von den Jugendorganisationen YOUNGO für das Klima und GYBN für die Biodiversität entsendet werden.

BBNJ-Jugendnetzwerk: unsere Ziele und Vorschläge

In dem aktuellsten Entwurf des High Sea Treaty (Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen) wird die junge Generation, trotz unseres Rechts auf Beeinflussung von Entscheidungen, die sich auf unsere Zukunft auswirken, als Interessengruppe vollkommen übergangen. Dies wollen wir ändern.

Zukünftig will das BBNJ-Jugendnetzwerk, äquivalent zu GYBN und YOUNGO, als formal anerkannter Wählerkreis für engagierte Jugendliche dienen, die den anstehenden Konferenzen beiwohnen und die Forderungen der Jugend vertreten dürfen.

Das BBNJ-Jugendnetzwerk will, dass die Konferenzen öffentlich, transparent und inklusiv sind. Das heißt, dass die Meinungen aller relevanten Interessengruppen miteinbezogen werden. Dazu gehören – neben der jungen Generation – Wissenschaftler, indigene Völker, lokale Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft.

UN-Abkommen zum Schutz der Hochsee: Jugend darf nicht außen vor bleiben

UN-Abkommen zum Schutz der Hochsee (Biodiversity Beyond National Jurisdiction): Jugend darf nicht außen vor bleiben. Ein Vorschlag für einen entsprechenden Artikel 50 (bis) existiert bereits, initiiert von Neuseeland und unterstützt von Australien, Kanada, den kleinen pazifischen Inseln und nun auch Großbritannien. Dieser erwähnt die Jugend jedoch nicht explizit. Daher fordern wir eine entsprechende Änderung sowie eine international breite Unterstützung des Artikels.

Die „Jugend“ soll ebenfalls in weiteren Artikeln als Interessengruppe integriert werden. So zum Beispiel bei der Konsultation zum Vorschlag von Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas/MPAs) nach Artikel 18, aber auch in Artikel 34 (öffentliche Konsultation und Benachrichtigungspflicht).

Die Hochsee

Die Hochsee bedeckt rund 48 % unseres Planeten, da diese sich jedoch teilweise über 10 km in die Tiefe erstreckt, entspricht sie gleichzeitig 95 % des gesamten Lebensraums der Erde. Sie beherbergt eine größtenteils noch unerforschte und beeindruckende Artenvielfalt, die unter anderem an der Integrität der globalen Stoffkreisläufe, insbesondere der Speicherung von Kohlenstoff, beteiligt ist.

Lässt sich der Zusammenbruch der Ökosysteme noch aufhalten?

Biodiversity Beyond National Jurisdiction: Jugend muss an Entscheidungen über ihre zukünftigen Lebensbedingungen beteiligt sein. Dafür setzt sich das BBNJ Jugendnetzwerk ein. Durch egoistisches menschliches Handeln wie der Überfischung, der Verschmutzung und der Klimaerwärmung ist der Zusammenbruch dieses unersetzlich wertvollen Ökosystems bereits absehbar. Beispielsweise werden die Fischpopulationen nach aktuellen Berechnungen bereits in weniger als 30 Jahren zu 90 % zurückgegangen sein.

Von der der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle?

Ähnlich wie unsere Urwälder übt die marine Biodiversität ökologische Funktionen aus, die die lebenserhaltenden Bedingungen auf dem gesamten Planeten in Balance halten. Folge eines anthropogen herbeigeführten Zusammenbruchs wäre damit der inakzeptable Verlust mariner Biodiversität und ihrer weitreichenden stabilisierenden ökosystemaren Dienstleistungen.

So würde die Hochsee etwa von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle. Damit würde sich der Klimawandel dramatisch beschleunigen.

Davon unverhältnismäßig stark betroffen sind selbstverständlich wir, die junge Generation!

Jugend muss an Entscheidungen über ihre zukünftigen Lebensbedingungen beteiligt sein

Logo des BBNJ Youth Network - BYN Aus diesen Gründen ist es essenziell, dass die Stimme der Jugend bei den aktuellen Gesprächen Gehör findet und aktiv in die Gestaltung des Managements der Hochsee miteinbezogen wird.

Als BBNJ-Jugendnetzwerk sind wir uns der Bedeutung und des Einflusses des Ausgangs dieser Verhandlungen auf unsere zukünftigen Lebensbedingungen vollkommen bewusst. Als unverzichtbare Interessengruppe sind wir in der Lage zielführende Empfehlungen auszusprechen.

Zur Autorin:
Sonja Heiliger ist Ansprechpartnerin für das BBNJ-Jugendnetzwerk in Deutschland

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