Teneriffa: Erstes zertifiziertes Walschutzgebiet Europas

Vor der Küste der Kanareninsel Teneriffa gibt es nun das erste von der World Cetacean Alliance (WCA) als Walkulturerbe (Whale Heritage Site) anerkannte Walschutzgebiet mit nachhaltigem Whalewatching in Europa. Es liegt im Teno-Rasca-Meeresgebiet zwischen Teneriffa und La Gomera. Weltweit tragen damit jetzt vier Gebiete den besonderen Status eines Walkulturerbes.

Whale Heritage Site – Walkulturerbe

Der Weg zum neuen Walschutzgebiet: Besuch der World Cetacean Alliance auf Teneriffa.

Besuch der Organisation World Cetacean Alliance auf Teneriffa – © Turismo de Tenerife

Um den Status „Whale Heritage Site“ zu erlangen, muss ein wissenschaftlich begleiteter und aufwendiger Zertifizierungsprozess der WCA durchlaufen werden.

Voraussetzungen für eine Anerkennung ist die Einhaltung strenger und entsprechend kontrollierter Regularien beim Whalewatching. Dabei muss die Regierung den gesamten Prozess begleiten und ihm zustimmen.

Teneriffa – Insel für nachhaltige Entwicklung

Bereits seit vielen Jahren engagiert sich die größte Kanareninsel für nachhaltige Entwicklung. Dabei steht neben dem Schutz von Tieren an Land und auch der Erhalt der marinen Artenvielfalt im Fokus.

Nachhaltiges Whalewatching im neuen Walkulturerbe

Delfinbeobachtung im Teno-Rasca Walschutzgebiet: ein Großer Tümmler taucht ab.

Delfinbeobachtung im Teno-Rasca-Walschutzgebiet – © Turismo de Tenerife

Das Walschutzgebiet mit Walkulterbe-Status liegt im etwa 22 Kilometer langen Meeresstreifen Teno-Rasca und erstreckt sich von Punta El Fraile bis Punta Salema auf Teneriffa. Es zeichnet sich durch mit eine hohe Meeressäuger-Artenvielfalt aus.

Bis zu 28 Wal- und Delfinarten kann man hier vor der Küste beobachten. Zudem leben hier eine residente Population Großer Tümmler und etwa 200 Kurzflossen-Grindwale (auch Indische Grindwale genannt), die zu den Delfinen gehören.

Whalewatching ist auf Teneriffa und La Gomera gleichermaßen beliebt und ein wichtiger Tourismussektor. Mit der Anerkennung als Walkulturerbe will die Inselregierung nun unkontrolliertes Whalewatching unterbinden, um Wale und Delfine nachhaltig und besser schützen zu können.

Qualität von Walbeobachtungen im Walschutzgebiet erhöhen

Whalewatchingboot mit einem Wal vor La Gomera.

Ein ganz besonderer Ort, um Meeressäuger zu beobachten, ist die zweitkleinste Kanareninsel La Gomera –  © canarianfeeling.de

Anbieter sollen sich an eine strenge Qualitätscharta halten. Hierin verpflichten sie sich dazu, die Sicherheit und Qualität von Walbeobachtungen zu erhöhen. Dabei sind die Einhaltung eines Mindestabstands zu Walen und Delfinen und ein qualifizierter Reiseleiter an Bord wichtig.

Zudem sollen laute Geräusche (Musik, Lautsprecherdurchsagen) unterbleiben, Motoren müssen abgeschaltet sein.

Weitere Richtlinien der Charta verlangen die Verwendung umweltschonender Produkte und recyclingfähiger Materialien sowie die Säuberung des Meeres von herumtreibendem Müll.

Wale und Delfine auf respektvolle Art und Weise in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten

Die Anerkennung als Walkulturerbe durch die WCA ermöglicht Touristen und Einheimischen eine transparente und einfache Auswahl eines nachhaltigen Whalewatching-Anbieters.

Unterschätzte Gefahr für Meeressäuger: Schiffskollisionen

Das Risiko von tödlichen Schiffskollisionen ist im Teno-Rasca-Meeresgebiet aufgrund des starken Verkehrs mit Fähren, Schiffen und Schnellbooten hoch.

Weckruf für die WCA-Zertifizierung war sicherlich der schreckliche Tod eines Grindwalkalbs im Juni 2019. Es schwamm mit seiner Familie im Teno-Rasca-Meeresgebiet, das bereits damals als Schutzzone ausgewiesen war. Doch ein rücksichtslos rasendes Schnellboot trennte die Schwanzfluke vom Körper des kleinen Grindwals fast vollständig ab. Er konnte kaum noch mit seiner Familie mithalten, war hilflos.

Einer der traurigsten Tage

Dem Unterwasserfotografen Francis Pérez gelang es zwar zusammen mit einem Meeresbiologen, das Tier zu bergen. Doch alles, was sie für den kleinen Grindwal noch tun konnten, war ihn einzuschläfern.

Pilotwal beobachtet Whalewatcher.

Men watching: Ein Grindwal beobachtet Whalewatcher – © canarianfeeling.de

Pérez sagte dazu auf riffaquaria.ch es sei „einer der traurigsten Tage“ gewesen, an denen er das Leben auf den Kanarischen Inseln dokumentiert habe. Und weiter: „Ich hatte gehofft, dass die Schnitte durch Haibisse verursacht wurden, aber nein, sie wurden von einem irrationalen Tier, einem Menschen, verursacht. Und nach der Autopsie stand fest, durch einen scharfen Gegenstand, durch einen Propeller eines kleinen Bootes.”

Mit der Zertifizierung als Schutzgebiet als Walkulturerbe hoffen viele, dass das Walschutzgebiet Teno-Rasca ein sicherer Lebensraum für die dort lebenden Wale und Delfine wird.

Foto oben:
Kurzflossen-Grindwale im Teno-Rasca-Walschutzgebiet – © Turismo de Tenerife

Wale und Delfine: Verhaltenstipps

Küstenlinie von Teneriffa beim Teno-Rasca Walschutzgebiet.

© Turismo de Tenerife