Wichtiger Erfolg für den „letzten Ozean“

Größtes Meeresschutzgebiet der Welt in der Antarktis mit Fragezeichen

Noch ist das antarktische Rossmeer – der „letzte Ozean“ – weitgehend unberührt. Die Chancen stehen gut, dass es so bleiben könnte. Ende Oktober 2016 gelang der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) ein historischer Durchbruch. Denn nach zähen, über fünfjährigen Verhandlungen mit 24 Staaten und der EU wurden rund 1.550.000 Quadratkilometer des antarktischen Rossmeeres zum größten Meeresschutzgebiet der Welt erklärt. Es umfasst eine Fläche ungefähr viermal so groß wie Deutschland. Immerhin. Sicherlich ist dies ein historischer, ein großartiger Erfolg. Schließlich profitieren unzählige Meerestierarten davon. Darunter Wale, Adelie- und Kaiserpinguine, Weddell-Robben oder Krill. Sogar für den durch hemmungslose Tiefseelangleinenfischerei stark überfischen Schwarzen Seehecht ist Entlastung in Sicht.

Ross Sea Marine Protected Area.

Ross Sea Marine Protected Area.

Fragezeichen

Größtes Manko und recht ungewöhnlich im Zusammenhang mit der Einrichtung von Schutzgebieten ist eine Befristung auf 35 Jahre. Danach will man erneut beraten. Doch  Natur- und Meeresschutz kann nur langfristig funktionieren. Daher ist eine Befristung ebenso befremdlich wie im Sinne nachhaltiger Schutzvorhaben sinnlos. Dennoch ist das riesige Schutzgebiet eine hoffnungsvolle Option.

Fischerei in Teilgebieten erlaubt

Unmittelbar schwerwiegender als die Zeitklausel ist, dass auf rund einem Viertel des Gebiets weiterhin Tiefseelangleinenfischerei zum Fang des Schwarzen Seehechts betrieben und nach Krill gefischt werden darf. Denoch, der größte Teil des neuen Schutzgebiets – etwa 1,12 Millionen Quadratkilometer – bleibt als gigantische No-Take-Zone tabu.

Unklar ist auch, wer das alles überwachen soll. Und wie mit illegal operierenden Piratenfischern verfahren werden soll, so sie denn dingfest gemacht werden.

Unüberwindliche Nutzungsinteressen

Meeresschutz also nur auf Zeit. Mehr ist in einem für die Fischerei und die Ausbeutung von Bodenschätzen so interessanten Gebiet derzeit wohl nicht drin.

Was alles nicht geht, zeigte sich Ende Oktober auf der 66. Tagung der Vertragsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) im slowenischen Portorož. Dort scheiterte der Versuch einiger Länder aus Lateinamerika, ein Walschutzgebiet im Südatlantik einzurichten. Und das nicht zum ersten Mal. Denn seit 1998 gelang es nie, die hierfür notwendige Dreiviertelmehrheit auf einer IWC-Tagung zusammenzubekommen.

Zehn Prozent der Meere bis 2020 unter Schutz?

Das neue antarktische „Schutzgebiet mit Verfallsdatum“ bringt die Staatengemeinschaft ihrem Ziel, bis 2020 zehn Prozent des Meeres unter Schutz zu stellen, ein gutes Stück näher. Doch weitere Einschränkungen fischereilicher Nutzung in großen Meeresgebieten, so dringend notwendig sie auch sein mögen, dürften angesichts zu erzielender Profite und des Nahrungsbedarfs einer ständig wachsenden Weltbevölkerung immer schwieriger zu erreichen sein.

Dabei besteht nicht der geringste Zweifel, dass Meeresschutzgebiete entscheidend sind für die Bewahrung der ökologischen Vielfalt der Meere. Entscheidend für die Regeneration erschöpfter Fischbestände und für die Eingrenzung der Folgen des Klimawandels.