Aus für eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt?

Nach Informationen des neuseeländischen TV-Senders „1 News“ hat die Regierung des pazifischen Kleinstaates Kiribati beschlossen, eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt, Phoenix Islands Protected Area (PIPA), für die kommerzielle Fischerei freizugeben. Außerdem will man PIPA als UNESCO-Welterbe abmelden. Die Regierung hofft, dadurch jährlich bis zu 200 Millionen Dollar aus der Vergabe von Thunfischfanglizenzen einnehmen zu können. Doch nicht nur das. Vieles deutet darauf hin, dass China die Entscheidung maßgeblich vorangetrieben hat. Denn es sieht in der PIPA Potenzial für seine gegen die USA gerichteten strategisch-militärischen Interessen.

PIPA: Eines der größten und fortschrittlichsten Meeresschutzgebiete

Die Phoenix Islands Protected Area (PIPA) erstreckt sich über 408.000 km2 im Pazifik. Dadurch steht eines der weltweit größten intakten Ökosysteme des ozeanischen Korallenarchipels unter Schutz.

Karte der Phoenix Islands Protected Area (PIPA), Kiribati.

Quelle: UNESCO

Das auch Phoenixinseln genannte, weitgehend unbewohnte und aus vielen kleineren Atollen und Inseln bestehende Gebiet grenzt im Norden an US-Gewässer

In dem 2015 eingerichteten Meeresschutzgebiet ist kommerzieller Fischfang verboten. Damit ist die PIPA eine der größten „No-Take“-Zonen der Welt. Es gibt dort mindestens 14 Seeberge und andere Tiefseelebensräume. Etwa 800 bekannte Meerestierarten leben hier, darunter etwa 200 Korallenarten, 500 Fischarten, 18 Meeressäuger und 44 Vogelarten.

Rückschlag für den Meeresschutz

„Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass die PIPA ihren Schutzstatus verliert, wäre dies ein gewaltiger Rückschlag für den Meeresschutz“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz. „PIPA gehört mit seiner riesigen Fischereiverbotszone und dem Status als UNESCO-Welterbe zu den fortschrittlichsten Meeresschutzgebieten, die es gibt. Nachdem Scheitern der drei Antarktis-Meeresschutzgebiete Ende Oktober entfernt man sich so immer weiter vom UN-Nachhaltigkeitsziel 14. Demnach sollten bereits Ende 2020 mindestens 10 Prozent und bis 2030 dann 30 Prozent der globalen Meeresflächen unter Schutz gestellt sein.“

Chinas undurchsichtige Rolle

Einiges spricht dafür, dass China die Entscheidung gegen PIPA maßgeblich unterstützt. Denn bereits 2019 beendete Kiribati eine 23-jährige Kooperation mit Taiwan. Stattdessen wandte man sich China zu, das daraufhin einen Kredit von 66 Millionen US-Dollar in Aussicht stellte.

Die PIPA ist wegen ihres Fischreichtums für die kommerzielle Fischerei von großem Interesse. Zu grosser Traube gebunüdelte gefrorene Thunfische werden aus einer Ladeluke gezogen.

Thunfischfänger entladen ihren Fang – George Stoyle/Marine Photobank.

Jedoch ist PIPA für China nicht nur wegen seines Fischreichtums attraktiv. Interessant ist auch die strategisch bedeutende Lage. Denn es liegt in der Nähe von US-Militäreinrichtungen.

Das 9.2 km² große Kanton-Atoll ist das nördlichste, größte und einzige, allerdings nur spärlich bewohnte Atoll innerhalb der PIPA.

Im Norden liegt ein im Zweiten Weltkrieg gebauter, 1975 aufgegebener Militärflugplatz. Angeblich hat China bereits Mittel für die Modernisierung der Landebahn bereitgestellt. Das Atoll befand sich früher in US-Besitz.

Meeresschützer kämpfen für den Erhalt der PIPA

Mittlerweile legten Kiribatis Umweltminister, der PIPA Trust und andere Geldgeber dem Kabinett einen 20-seitigen Bericht vor. Darin legen sie dar, dass der Status von PIPA als Meeresschutzgebiet beibehalten werden sollte. Außerdem hofft man, dass das Parlament von Kiribati die Regierungsentscheidung widerruft.

TV-Beitrag von 1 news zur Aufhebung des Meeresschutzgebiets-Status der PIPA (Phoenix Islands Protected Area)

 

TV-Beitrag von 1 news: China’s influence in the Pacific under the spotlight