Am 19. März 2026 endete in Jamaika die 31. Ratsversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA). Wie bereits in den Vorjahren verlief sie weitgehend ergebnislos. Aus Sicht des Meeresschutzes ist es jedoch ein Erfolg, dass sich der Rat nicht auf einen Mining-Code (Bergbaukodex/Tiefseebergbau-Regelwerk) einigen konnte. Hauptgrund hierfür waren Compliance-Bedenken. Befürchtet wird, dass sich Bergbauunternehmen weder an Umweltschutzmaßnahmen noch an Kontrollen oder Gewinnbeteiligungen für Inselstaaten im Globalen Süden halten würden. Unbeantwortet blieb erneut die Herausforderung durch US-Präsident Trump. Er hatte im April 2025 einseitig und ohne völkerrechtliche Grundlage die Erteilung von Tiefseebergbaulizenzen für US-Firmen freigegeben.
Kernaussagen
- Die 31. Ratsversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika konnte sich erneut nicht auf einen Mining-Code (Bergbaukodex/Tiefseebergbau-Regelwerk) festlegen.
- Nicht nur Meeresschützer und Wissenschaftler lehnen den Abbau mineralischer Tiefsee-Bodenschätze ab, sondern auch immer mehr Staaten.
- US-Präsident Trump erließ eine Executive Order, die den Tiefseebergbau für US-Firmen weltweit erlaubt, was gegen das Internationale Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen verstößt.
- Die ISA verwaltet die Nutzung mineralischer Ressourcen am Meeresboden in der Tiefsee außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Küstenstaaten in „the Area“ als gemeinsames Erbe der Menschheit.
- Die ISA ist eine von vier Institutionen, die durch das SRÜ geschaffen wurden.
US-Präsident Trump düpiert die ISA
Am 24. April 2025 erließ US-Präsident Donald Trump eine seiner berüchtigten „Executive Orders“. Die Durchführungsverordnung hat es in sich.1 Trump gibt den Tiefseebergbau für US-Firmen frei, und zwar weltweit! Das gilt auch für Gebiete, für die gemäß des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS/SRÜ) die Internationale Meeresbodenbehörde zuständig ist.
Das Kopflose Hühnermonster ist eine Tiefsee-Seegurke, die schwimmen kann.
© NOAA Ocean Exploration and Research

Worum geht es?
Hintergrund für Trumps Executive Order ist der von ihm entfachte Handelskonflikt mit China. Die USA befürchten, dass ihnen wegen eines Lieferboykotts der Chinesen in der Folge entscheidende Rohstoffe fehlen werden. Wie bei den 17 Metallen aus der Gruppe der Seltenen Erden. Die drei wichtigsten sind Neodym, Praseodym und Dysprosium. Hier hat China beim Abbau eine globale Monopolstellung und dominiert den Weltmarkt mit einem Anteil von fast 70 %.2
Trump beruft sich auf US-Gesetz von 1980
Der US-Präsident beruft sich bei seiner Durchführungsverordnung auf ein altes US-Gesetz. Der Deep Sea Hard Mineral Resources Act (DSMHRA) berechtigt US-Bürger und US-Unternehmen, Mineralien am Meeresboden in der Tiefsee auszubeuten. Er stammt aus dem Jahr 1980.
„Diese Durchführungsverordnung ist fatal, eine Büchse der Pandora. Die entstehenden Umweltschäden sind unvorhersehbar und unumkehrbar. Niemand wird das je wieder reparieren können“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Verstoß gegen das Völkerrecht
Die 2024 neu gewählte ISA-Generalsekretärin, die brasilianische Ozeanografin Leticia Carvalho, brachte ihre „tiefe Besorgnis zum Ausdruck“. Sie pocht auf das ausschließliche Mandat der ISA. Eine einseitige Maßnahme der Amerikaner würde ihrer Meinung nach einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen und das SRÜ/UNCLOS untergraben.
Das völkerrechtlich verbindliche Internationale Seerechtsübereinkommen (SRÜ/UNCLOS) der UN ist seit 1994 in Kraft. Im Gegensatz zur VR China traten die USA dem SRÜ nicht bei und sind somit auch nicht Mitglied der Internationalen Meeresbodenbehörde. Bislang verhielten sie sich allerdings stets gemäß den Regularien des SRÜ. Das hat sich nun geändert.
Widerstand gegen Tiefseebergbau: Was man wissen sollte
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Siebzig Firmen, darunter Tech-Reisen wie Google, Apple, Samsung, SAP und Salesforce, oder Autokonzerne wie BMW, VW, VOLVO und andere, haben eine Erklärung für ein Moratorium für Tiefseebodenbergbauaktivitäten unterzeichnet. Auch wollen sie keine vom Meeresboden geförderten Mineralien in ihren Lieferketten verwenden.
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Kalifornien, Oregon, Washington State, Hawaii, Guam und Amerikanisch-Samoa untersagen in ihren Küstengewässern den Abbau von mineralischen Rohstoffen am Meeresboden.
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40 Länder sprechen sich gegen den Tiefseebergbau aus. Entweder mit einem Verbot, einem Moratorium oder einer vorsorglichen Pause (Stand vom Oktober 2025).
Mineralische Tiefsee-Rohstoffe
Der Rohstoffhunger der US-Bergbauindustrie und der Trump-Administration hat vor allem die Ausbeutung von Manganknollen, an schwarzen Rauchern befindlichen Massivsulfiden mit ihren mineralischen, metallhaltigen Schwefelverbindungen sowie Kobaltkrusten im Visier.
Manganknollen findet man in 3500 bis 6500 m Tiefe in allen Meeren. Sie enthalten vorwiegend Mangan, Eisen, Nickel, Kupfer, Titan, Kobalt und – in geringer Menge – Seltenerdelemente. Jede einzelne der typischerweise kartoffelgroßen (bis zu 15 cm) Knollen ist ein weitgehend unerforschter Lebensraum für Mikroorganismen. Die Knollen wachsen extrem langsam, pro Million Jahre zwischen 10 und 100 Millimeter. Große Knollen können bis zu 15 Millionen Jahre alt sein.

Glasschwamm in einem Manganknollenfeld. Die Knollen sind begehrt bei auf feste Strukturen angewiesenen sessilen oder semi-sessilen Meerestieren.
Aufgenommen mit dem ROV KIEL 6000 während Expedition SO239, © ROV-Team/GEOMAR (CC BY 4.0)
Was ist die Internationale Meeresbodenbehörde – International Seabed Authority (ISA)?
Die in Kingston, Jamaika, beheimatete Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) ist für die Nutzung aller mineralischen Ressourcen am Meeresboden zuständig. Ihre Aufgabe ist es, den Abbau mineralischer Meeresbodenschätze im außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Küstenstaaten liegenden Gebiet (auch The Area genannt) gerecht als gemeinsames Erbe der Menschheit zu verwalten.
Staaten, die in The Area mineralische Rohstoffe abbauen wollen, müssen bei der ISA eine Lizenz für die Erkundung (Exploration) beantragen. Nach Abschluss der Erkundungen kann die Meeresbodenbehörde auf Grundlage eines (bisher nicht vorhandenen) Regelwerks (Mining-Code/Bergbaukodex) Abbaulizenzen für Tiefsee-Bodenschätze erteilen.
Die ISA ist eine von vier Institutionen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ):
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Internationaler Seegerichtshof (International Tribunal for the Law of the Sea, ITLOS) mit Sitz in Hamburg. Seine Zuständigkeit ist auf Streitigkeiten über Auslegung und Anwendung des SRÜ beschränkt.
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UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (Commission on the Limits of the Continental Shelf, CLCS) mit Sitz in New York.
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Internationale Meeresbodenbehörde (ISA).
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Regelmäßige Treffen von Vertretern der Unterzeichnerstaaten (Meeting of State Parties to the Convention).
Das SRÜ gilt als das größte Regelwerk der Menschheit und trat nach neunjährigen Verhandlungen am 16. November 1994 in Kraft. Zugleich wurde die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) gegründet.
Die ISA-Generalversammlung (The Assembly)
Die Generalversammlung ist das oberste Gremium der Internationalen Meeresbodenbehörde. Sie hat 170 Mitglieder (169 Mitgliedstaaten des SRÜ und die Europäische Union). Die wie der ISA-Rat jährlich tagende Generalversammlung ist befugt, eine Pause oder ein Moratorium für die Ausbeutung von Meeresbodenschätzen in The Area zu verhängen.
Der Rat (The Council)
Die ISA-Generalversammlung wählt den aus 36 Mitgliedern zusammengesetzten Rat. Er wird in sechs Gruppen unterteilt. Gruppe A gehören 4 besonders starke Volkswirtschaften wie China an, während die 18-köpfige Gruppe E nach dem Grundsatz einer gerechten geografischen Verteilung der Sitze gewählt wird.
Daher sind dort Länder aus Regionen wie Afrika, Asien-Pazifik, Osteuropa, Lateinamerika und die Karibik sowie Westeuropa vertreten. Deutschland gehörte bis 2026 der Gruppe B an.
Der Rat ist das ausführende Organ der ISA. Unter anderem überwacht und koordiniert er die Umsetzung der durch das Seerechtsübereinkommen (SRÜ/UNCLOS) geschaffenen Rahmenbedingungen zur Förderung und Regulierung der Erkundung und Ausbeutung von Tiefseemineralien durch Staaten, Unternehmen und andere Rechtsträger.
Der Rat hat auch die Aufgabe, Verträge zu überwachen sowie Umwelt- und andere Standards festzulegen. Er schlägt Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs vor und überprüft den Haushalt der Internationalen Meeresbodenbehörde.
- UNLEASHING AMERICA’S OFFSHORE CRITICAL MINERALS AND RESOURCES ↩︎
- Die Executive Order richtet sich mit markigen Worten zwar nicht explizit, aber deutlich erkennbar auch gegen die VR China. ↩︎
Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern von der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und Seas At Risk (SAR) für ein Verbot des Abbaus von mineralischen Bodenschätzen in der Tiefsee ein. Die Behauptung, die Ausbeutung von Tiefsee-Rohstoffen zur Bekämpfung des Klimawandels sei notwendig, ist falsch. Die Wissenschaft ist hier eindeutig.
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag
Titelgrafik von deep sea conservation coalition








