Jahrestagung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) endet erneut ergebnislos

Am 31. Juli 2026 endete in Jamaika die 31. Jahrestagung der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA). Wie bereits in den Vorjahren verlief sie weitgehend ergebnislos. Aus Sicht des Meeresschutzes ist es jedoch ein Erfolg, dass sich die ISA nach wie vor nicht auf einen Mining-Code (Bergbaukodex/Tiefseebergbau-Regelwerk) einigen konnte. Andererseits endete die Jahresversammlung auch ohne Einigung auf ein Moratorium für den Tiefseebergbau. Unbeantwortet bleibt weiterhin der völkerrechtlich fragwürdige Alleingang von US-Präsident Trump, der im April 2025 einseitig die Vergabe von Tiefseebergbaulizenzen für US-Firmen freigegeben hatte.

Als bedeutender Erfolg gilt, dass im Verlauf der ISA-Jahrestagung Mauritius, Mosambik und die Republik Kongo als 44., 45. und 46. Länder sich der wachsenden Opposition gegen den Tiefseebergbau anschlossen.

Mehr als ein Viertel der Mitgliedsstaaten der ISA ist gegen den Abbau von mineralischen Bodenschätzen in der Tiefsee.

Ende Juli 2026 stieg die Zahl der Länder, die den Tiefseebergbau ablehnen auf 46 Nationen.

Kernaussagen

  • Die 31. Sitzung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) endete ergebnislos, was als Erfolg für den Meeresschutz gewertet, da kein Mining-Code beschlossen wurde.
  • Länder wie Mauritius, Mosambik und die Republik Kongo schlossen sich der wachsenden Opposition gegen den Tiefseebergbau an.
  • US-Präsident Trump erließ 2025 eine Executive Order, die den globalen Tiefseebergbau für US-Firmen freigab, was völkerrechtlich umstritten ist.
  • Der US-Handelskonflikt mit China beeinflusste Trumps Entscheidung, um Rohstoffknappheit durch Lieferengpässe zu vermeiden.
  • Die ISA verwaltet die Nutzung mineralischer Ressourcen am Meeresboden außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Küstenstaaten in „the Area“ als gemeinsames Erbe der Menschheit.

US-Präsident Trump düpiert die ISA

Am 24. April 2025 erließ US-Präsident Donald Trump eine seiner berüchtigten „Executive Orders“. Die Durchführungsverordnung hat es in sich.1 Trump gibt den Tiefseebergbau für US-Firmen frei, und zwar weltweit! Das gilt auch für Gebiete, für die gemäß des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS/SRÜ) die Internationale Meeresbodenbehörde zuständig ist.

Das Kopflose Hühnermonster ist eine Tiefsee-Seegurke, die schwimmen kann.
© NOAA Ocean Exploration and Research

Ein schwimmendes Kopfloses Hühnermonster.

Der US-Präsident beruft sich bei seiner Durchführungsverordnung auf ein altes US-Gesetz. Der Deep Sea Hard Mineral Resources Act (DSMHRA) berechtigt US-Bürger und US-Unternehmen, Mineralien am Meeresboden in der Tiefsee auszubeuten. Er stammt aus dem Jahr 1980.

„Diese Durchführungsverordnung ist fatal, eine Büchse der Pandora. Die entstehenden Umweltschäden sind unvorhersehbar und unumkehrbar. Niemand wird das je wieder reparieren können“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Worum geht es?

Hintergrund für Trumps Executive Order war ein von ihm entfachter Handelskonflikt mit China. Die USA beabsichtigen, bei der Versorgung mit essentiellen Rohstoffen, wie bei den 17 Metallen aus der Gruppe der Seltenen Erden, unabhängiger von China zu werden. Die drei wichtigsten sogenannten Seltenen Erden sind Neodym, Praseodym und Dysprosium. Hier hat China beim Abbau eine globale Monopolstellung und dominiert den Weltmarkt mit einem Anteil von fast 70 %.2

Verstoß gegen das Völkerrecht?

Die 2024 neu gewählte ISA-Generalsekretärin, die brasilianische Ozeanografin Leticia Carvalho, brachte ihre „tiefe Besorgnis zum Ausdruck“. Sie pocht auf das ausschließliche Mandat der ISA. Eine einseitige Maßnahme der Amerikaner würde ihrer Meinung nach einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen und das SRÜ/UNCLOS untergraben.

Das völkerrechtlich verbindliche Internationale Seerechtsübereinkommen (SRÜ/UNCLOS) der UN ist seit 1994 in Kraft. Im Gegensatz zur VR China traten die USA dem SRÜ jedoch nicht bei und sind somit auch nicht Mitglied der Internationalen Meeresbodenbehörde. Bislang verhielten sie sich allerdings stets gemäß den Regularien des SRÜ. Das hat sich nun geändert.

Mineralische Tiefsee-Rohstoffe

Der Rohstoffhunger der US-Bergbauindustrie und der Trump-Administration hat vor allem die Ausbeutung von Manganknollen, an schwarzen Rauchern befindlichen Massivsulfiden mit ihren mineralischen, metallhaltigen Schwefelverbindungen sowie Kobaltkrusten im Visier.

Manganknollen findet man in 3500 bis 6500 m Tiefe in allen Meeren. Sie enthalten vorwiegend Mangan, Eisen, Nickel, Kupfer, Titan, Kobalt und – in geringer Menge – Seltenerdelemente. Jede einzelne der typischerweise kartoffelgroßen (bis zu 15 cm) Knollen ist ein weitgehend unerforschter Lebensraum für Mikroorganismen. Die Knollen wachsen extrem langsam, pro Million Jahre zwischen 10 und 100 Millimeter. Große Knollen können bis zu 15 Millionen Jahre alt sein.

Glasschwamm in einem Manganknollenfeld.

Glasschwamm in einem Manganknollenfeld. Die Knollen sind begehrt bei auf feste Strukturen angewiesenen sessilen oder semi-sessilen Meerestieren.
Aufgenommen mit dem ROV KIEL 6000 während Expedition SO239, © ROV-Team/GEOMAR (CC BY 4.0)

  • 75 Firmen, darunter Tech-Reisen wie Google, Apple, Samsung, SAP und Salesforce, oder Autokonzerne wie BMW, VW, VOLVO und andere, haben eine Erklärung für ein Moratorium für Tiefseebodenbergbauaktivitäten unterzeichnet. Auch wollen sie keine vom Meeresboden geförderten Mineralien in ihren Lieferketten verwenden.
  • Kalifornien, Oregon, Washington State, Hawaii, Guam und Amerikanisch-Samoa untersagen in ihren Küstengewässern den Abbau von mineralischen Rohstoffen am Meeresboden.
  • Die Debatte über den Tiefseebergbau dreht sich um mehr als nur um Mineralien. Es geht um die Zukunft des Ozeans und darum, ob Entscheidungen, die das gemeinsame Erbe der Menschheit betreffen, mit der Sorgfalt, Transparenz und Verantwortung getroffen werden, die sie verdienen.

Was ist die Internationale Meeresbodenbehörde – International Seabed Authority (ISA)?

Die in Kingston, Jamaika, beheimatete Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) ist für die Nutzung aller mineralischen Ressourcen am Meeresboden zuständig. Ihre Aufgabe ist es, den Abbau mineralischer Meeresbodenschätze im außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Küstenstaaten liegenden Gebiet (auch The Area genannt) gerecht als gemeinsames Erbe der Menschheit zu verwalten.

Staaten, die in The Area mineralische Rohstoffe abbauen wollen, müssen bei der ISA eine Lizenz für die Erkundung (Exploration) beantragen. Nach Abschluss der Erkundungen kann die Meeresbodenbehörde auf Grundlage eines (bisher nicht vorhandenen) Regelwerks (Mining-Code/Bergbaukodex) Abbaulizenzen für Tiefsee-Bodenschätze erteilen.

Die ISA ist eine von vier Institutionen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ):

  • Internationaler Seegerichtshof (International Tribunal for the Law of the Sea, ITLOS) mit Sitz in Hamburg. Seine Zuständigkeit ist auf Streitigkeiten über Auslegung und Anwendung des SRÜ beschränkt.
  • UN-Kommission zur Begrenzung des Festland­sockels (Commission on the Limits of the Continental Shelf, CLCS) mit Sitz in New York.
  • Internationale Meeresbodenbehörde (ISA).
  • Regelmäßige Treffen von Vertretern der Unterzeichnerstaaten (Meeting of State Parties to the Convention).

Das SRÜ gilt als das größte Regelwerk der Menschheit und trat nach neunjährigen Verhandlungen am 16. November 1994 in Kraft. Zugleich wurde die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) gegründet.

Die ISA-Generalversammlung (The Assembly)

Die Generalversammlung ist das oberste Gremium der Internationalen Meeresbodenbehörde. Sie hat 170 Mitglieder (169 Mitgliedstaaten des SRÜ und die Europäische Union). Die wie der ISA-Rat jährlich tagende Generalversammlung ist befugt, eine Pause oder ein Moratorium für die Ausbeutung von Meeresbodenschätzen in The Area zu verhängen.

Der Rat (The Council)

Die ISA-Generalversammlung wählt den aus 36 Mitgliedern zusammengesetzten Rat. Er wird in sechs Gruppen unterteilt. Gruppe A gehören 4 besonders starke Volkswirtschaften wie China an, während die 18-köpfige Gruppe E nach dem Grundsatz einer gerechten geografischen Verteilung der Sitze gewählt wird.

Daher sind dort Länder aus Regionen wie Afrika, Asien-Pazifik, Osteuropa, Lateinamerika und die Karibik sowie Westeuropa vertreten. Deutschland gehörte bis 2026 der Gruppe B an.

Der Rat ist das ausführende Organ der ISA. Unter anderem überwacht und koordiniert er die Umsetzung der durch das Seerechtsübereinkommen (SRÜ/UNCLOS) geschaffenen Rahmenbedingungen zur Förderung und Regulierung der Erkundung und Ausbeutung von Tiefseemineralien durch Staaten, Unternehmen und andere Rechtsträger.

Der Rat hat auch die Aufgabe, Verträge zu überwachen sowie Umwelt- und andere Standards festzulegen. Er schlägt Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs vor und überprüft den Haushalt der Internationalen Meeresbodenbehörde.

  1. UNLEASHING AMERICA’S OFFSHORE CRITICAL MINERALS AND RESOURCES ↩︎
  2. Die Executive Order richtet sich mit markigen Worten zwar nicht explizit, aber deutlich erkennbar auch gegen die VR China. ↩︎

Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern von der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und Seas At Risk (SAR) für ein Verbot des Abbaus von mineralischen Bodenschätzen in der Tiefsee ein. Die Behauptung, die Ausbeutung von Tiefsee-Rohstoffen zur Bekämpfung des Klimawandels sei notwendig, ist falsch. Die Wissenschaft ist hier eindeutig.

Logo der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC).
Internationale Koalition von über 140 Nichtregierungsorganisationen, Fischereiorganisationen sowie Rechts- und Politikinstituten zum Schutz von Tiefsee-Ökosystemen.
Logo Seas At Risk
Zusammenschluss europäischer Umweltorganisationen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass das Leben in den Ozeanen reichhaltig und vielfältig ist, dem Klima standhält und nicht durch menschliche Aktivitäten bedroht wird.

Updatehinweis: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Titelgrafik von deep sea conservation coalition

Titelbild: Tiefsee-Oktopus, NOAA Ocean Exploration, 2023 Shakedown + EXPRESS West Coast Exploration


Weiterführende Informationen

Abbau von Manganknollen: Wissenschaftler warnen vor Radioaktivität

Wenige Tage vor der 31. Sitzung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA), die vom 13. bis 31. Juli 2026 in Kingston, Jamaika, stattfinden wird, veröffentlichte die Deep Sea Mining Campaign (DSMC) eine wissenschaftliche Studie zur Freisetzung natürlich vorkommender Radioaktivität beim Tiefseebergbau. Insbesondere die äußeren Schichten von Manganknollen, die beim Abbau beschädigt werden, sind mit radioaktiven Alphateilchen angereichert. Es ist eine der wenigen Studien zu potenziellen Gefahren der Strahlungstoxizität bei der Gewinnung mineralischer Tiefsee-Rohstoffe.

Der Bericht „Critical Questions about the Risks of Radiation Toxicity from Deep Sea Mining“ beleuchtet ökologische Risiken und Auswirkungen durch radioaktive Isotope, die beim Abbau von Manganknollen oder Massivsulfiden (mineralische metallhaltige Schwefelverbindungen) am Meeresboden freigesetzt werden.

Kernaussagen

  • Die Deep Sea Mining Campaign veröffentlichte eine Studie zur Freisetzung von radioaktiven Teilchen, die beim Abbau von Manganknollen freigesetzt werden.
  • Experimente zeigen die langfristigen ökologischen Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf Meereslebewesen, speziell auf filtrierende Organismen.
  • Der Tiefseebergbau führt zu einem signifikanten Verlust von Arten, wobei nach 26 Jahren immer noch 80 Prozent der betroffenen Arten fehlen.
  • Gemeinsam mit unseren Partnern fordern wir ein globales Tiefseebergbauverbot.
Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee.
Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee.
Quelle: „Predicting the impacts of mining deep sea polymetallic nodules in the Pacific Ocean“

Wissenschaftler warnen vor gravierenden Umweltauswirkungen beim Abbau von Manganknollen

Eine der wenigen Studien zur natürlichen Radioaktivität von Manganknollen veröffentlichte das Alfred-Wegener-Institut im Mai 2023. Darin warnten die Wissenschaftler vor Gesundheitsrisiken für Menschen beim Umgang mit Manganknollen. So überschreitet etwa die Aktivität von Radium-226 in den untersuchten Knollen einen in der deutschen Strahlenschutzverordnung festgelegten Grenzwert teilweise um das Hundert- bis Tausendfache.1

Zusätzlich zur Freisetzung radioaktiver Isotope ist beim Abbau von Manganknollen auch mit der Freisetzung von toxischen Schwermetallen zu rechnen. „Wir wissen nicht, wie hoch die marine Ökotoxizität dieser giftigen Kombination sein wird“, schreibt Dr. Helen Rosenbaum, Forschungskoordinatorin der Deep Sea Mining Campaign, und Hauptautorin der neuen DSMC-Studie.

Manganknolle aus dem Untersuchungsgebiet im Pazifik.

Manganknollen sind kartoffelgroß und reich an Mangan, Nickel, Kobalt und anderen Metallen. Diese will man für Batterien von Elektrofahrzeugen und Technologien für erneuerbare Energien ausbeuten.

© Senckenberg/Lins

Umfassende Studie über Umweltauswirkungen

Eine im Mai 2020 veröffentlichte Studie, in der Experten über 250 wissenschaftliche Publikationen zu wahrscheinlichen Umweltauswirkungen des Abbaus von Manganknollen (polymetallic nodules) überprüften, kommt zu einem eindeutigen Fazit. Die kommerzielle Ausbeutung von Manganknollenfeldern hätte irreversible Artenverluste und irreversible Schädigungen der Ökosysteme zur Folge.2

Experten werteten über 250 wissenschaftliche Publikationen zu Umweltauswirkungen des Abbaus von Manganknollen in der Tiefsee aus.

Unsere Studie zeigt, dass der Abbau von Manganknollen nicht nur zu einem irreversiblen Verlust von Arten und Ökosystemen führen würde. Auch die versprochenen sozialen und wirtschaftlichen Gewinne für die pazifischen Inselstaaten sind fragwürdig. Bergbauunternehmen wie DeepGreen Metals erklären, dass sie für großen Reichtum mit minimalen oder gar keinen negativen Auswirkungen sorgen werden. Die Wissenschaft unterstützt diese Behauptungen nicht! Dabei ist der Einsatz extrem hoch. Fischerei, Inselkulturen, Lebensgrundlagen, Ernährungssicherheit, Tourismus und einzigartige Meereslebewesen sind in Gefahr.
Dr. Helen Rosenbaum, Deep Sea Mining Campaign

Massive Artenverluste beim Abbau von Manganknollen

Gemeinsam mit einem internationalen Team simulierten Wissenschaftler mit dem DISCOL-Experiment die Folgen des Tiefseebergbaus auf bodenlebende Organismen. Der Beginn der Versuchsreihe reicht bis ins Jahr 1989 zurück. Dabei pflügte man etwa 22 Prozent eines 10,8 Quadratkilometer großen manganknollenreichen Gebietes im südöstlichen Pazifik mit schwerem Gerät um. Anschließend wurde das Areal einen Monat, sechs Monate, drei Jahre, sieben Jahre und 26 Jahre auf Veränderungen in der Artenvielfalt untersucht.3

Nach 26 Jahren ist immer noch ein erheblicher Artenverlust vorhanden. Betroffen sind insbesondere filtrierende Tiere und andere bodenlebende Organismen. Sogar nach fast drei Jahrzehnten bleiben knapp 80 Prozent dieser Arten verschwunden.

Ein schwimmendes Kopfloses Hühnermonster.

Am wenigsten gelitten unter dem Abbau der Manganknollen hatten auf dem Meeresboden fressende Organismen wie das Kopflose Hühnermonster, eine Tiefsee-Seegurke, die schwimmen kann. Bei ihnen maßen die Forschenden einen Verlust von 2,6 Prozent.

  1. Jessica B. Volz, Walter Geibert, Dennis Köhler, Michiel M. Rutgers van der Loeff and Sabine Kasten. Alpha radiation from polymetallic nodules and potential health risks from deep-sea mining. Sci Rep 13, 7985 (2023). doi.org/10.1038/s41598-023-33971-w ↩︎
  2. Predicting the impacts of mining deep sea polymetallic nodules in the Pacific Ocean (Studie auf Initiative von Deep Sea Mining Campaign und MiningWatch Canada) ↩︎
  3. Stratmann, T., Lins, L., Purser, A., Marcon, Y., Rodrigues, C. F., Ravara, A., Cunha, M. R., Simon-Lledó, E., Jones, D. O. B., Sweetman, A. K., Köser, K., and van Oevelen, D.: Abyssal plain faunal carbon flows remain depressed 26 years after a simulated deep-sea mining disturbance, Biogeosciences, 15, 4131–4145, https://doi.org/10.5194/bg-15-4131-2018, 2018. ↩︎

Titelfoto:
Greifarm des ROV KIEL 6000 mit einer Manganknolle, auf der eine Koralle wächst. Das Foto wurde mit den Kameras des ROV während der Expedition SO268 am Meeresboden der Clarion Clipperton Zone (CCZ) erstellt. Die Expedition war Teil des Projekts JPIO MiningImpact. Es untersucht den Einfluss, den ein potenzieller Manganknollen-Abbau in der Tiefsee auf dortige Ökosysteme hätte. © ROV Team/GEOMAR (CC-BY 4.0)


Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern von der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und Seas At Risk (SAR) für ein Verbot des Abbaus von mineralischen Bodenschätzen in der Tiefsee ein.

Logo der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC).
Internationale Koalition aus über 140 Nichtregierungsorganisationen, Fischereiorganisationen sowie Rechts- und Politikinstituten zum Schutz von Tiefsee-Ökosystemen.
Logo Seas At Risk
Zusammenschluss europäischer Umweltorganisationen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass das Leben in den Ozeanen reichhaltig und vielfältig ist, dem Klima standhält und nicht durch menschliche Aktivitäten bedroht wird.

Weiterführende Informationen

Neu entdeckte Tiefseekoralle lebt auf Manganknollen

Ein internationales Forschungsteam hat eine ausschließlich auf Manganknollen in der Tiefsee lebende Steinkoralle entdeckt. In völliger Dunkelheit. In bis zu 4.700 m Tiefe. Eine Sensation. Es ist die bislang einzige bekannte Steinkorallenart, die das macht. Sie erhielt den Namen (Deltocyathus zoemetallicus). Ihr wissenschaftlicher Name ist eine Anspielung auf ihr Aussehen und den ungewöhnlichen Lebensraum: Dreieckiger Becher, der auf Metall lebt. Denn Manganknollen (polymetallic nodules) sind mineralienreiche Gesteinsbrocken, die weltweit im Fokus der Tiefseebergbau-Industrie stehen. Die Erstbeschreibung der neu entdeckten Tiefseekoralle erschien im November 2025 im wissenschaftlichen Fachjournal „Zoological Journal of the Linnean Society“.1

Kernaussagen

  • Ein internationales Forschungsteam entdeckte eine auf Manganknollen in über 4.500 m Tiefe siedelnde Steinkorallenart.
  • Die neue Korallenart ist durch den geplanten Tiefseebergbau gefährdet, bevor man überhaupt ihre ökologische Rolle verstanden hat.
  • Manganknollen sind mineralienreiche Gesteinsbrocken, die unter anderem zur Rohstoffgewinnung für Batterien von Elektrofahrzeugen abgebaut werden sollen.
  • Eine Studie bestätigt massive Artenverluste durch den Abbau von Manganknollen und irreversible Schäden an Ökosystemen.
  • Schutzmaßnahmen sind dringend erforderlich, um die einzigartige Tiefseeökologie zu bewahren.

Extrem seltene Tiefseekoralle in Gefahr

Die Forschenden fanden trotz erheblichem Suchaufwand nur 11 Exemplare der kleinen Tiefseekorallen in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone (CCZ). Die CCZ ist ein riesiges Meeresgebiet zwischen Hawaii und Mexiko von etwa 6 Millionen km2. Hier liegen in Tiefen von etwa 4.000 m im Osten und bis zu mehr als 5.000 m im Westen die weltweit größten bekannten Vorkommen von Manganknollen am Meeresboden.

Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee.
Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee.
Quelle: „Predicting the impacts of mining deep sea polymetallic nodules in the Pacific Ocean“
Manganknolle aus dem Untersuchungsgebiet im Pazifik.

Manganknollen sind kartoffelgroß und reich an Mangan, Nickel, Kobalt und anderen Metallen. Diese will man für Batterien von Elektrofahrzeugen und Technologien für erneuerbare Energien ausbeuten.

© Senckenberg/Lins

Verborgener Schatz der Tiefsee

Das Forschungsteam unter Leitung der Senckenberg-Wissenschaftlerin Dr. Nadia Santodomingo und Dr. Guadalupe Bribiesca-Contreras (National Oceanography Centre/NOC) warnt eindringlich: Die neu entdeckte Art könnte durch den Tiefseebergbau ihren einzigen bekannten Lebensraum verlieren – möglicherweise, bevor wir ihre ökologische Rolle vollständig verstehen.

„Diese winzige Koralle ist ein verborgener Schatz der Tiefsee“, betont Nadia Santodomingo. „Sie lebt direkt auf den Knollen, die für die Industrie abgebaut werden sollen. Wenn diese Knollen entfernt werden, riskieren wir die Auslöschung einer ganzen Art, die wir gerade erst entdeckt haben.“

Warten auf den Meeresschnee

Die nur bis zu 8 mm großen Deltocyathus zoemetallicus leben in der Dunkelheit. Folglich haben sie, im Gegensatz zu Flachwasserkorallen mit ihren symbiotischen Algen (Zooxanthellen), die die Korallenpolypen per Fotosynthese mit Nährstoffen versorgen, keine Algenpartner.

Die kleinen Tiefseekorallen ernährt sich vom Meeresschnee. Darunter verseht man organische Reste wie Ausscheidungen, abgestorbenes Plankton, Reste toter Meerestiere und anderes organische Material. In Form größerer oder kleinerer Flocken rieselt Meeresschnee kontinuierlich von der Wasseroberfläche bis zum Meeresboden. Irgendwann erreicht er die Tiefsee und die Manganknollenfelder in mehreren tausend Metern Tiefe.

Überlebenskünstler in der Carbonat-Kompensationstiefe

Steinkorallen (Scleractinia) bilden harte Skelette aus Kalziumkarbonat (CaCO3). Besser bekannt als Kalkstein, Kreide oder Marmor. Unter den in allen Ozeanen, außer in der Arktis und in der Antarktis, heimischen Steinkorallen gibt es es auch einige Tiefseearten. Allerdings findet man die normalerweise nur in Tiefen zwischen 200 und 1.000 m.

Deltocyathus zoemetallicus ist die erste hartschalige Koralle, die direkt auf Manganknollen in der Tiefsee lebt. Ihr Lebensraum ist unmittelbar vom Tiefseebergbau bedroht.

Deltocyathus zoemetallicus ist die erste hartschalige Koralle, die direkt auf Manganknollen in der Tiefsee lebt.

Auch von daher ist die neue Art ein spezieller Überlebenskünstler. Denn diese Tiefseekorallen leben in der sogenannten Carbonat-Kompensationstiefe, einer Todeszone für Korallen.

© Bribiesca-Contreras et al, 2025

Ab der auch CCD (carbonate compensation depth) genannten Zone beginnt sich Kalziumkarbonat aufzulösen. Eigentlich. Doch diese kleine Korallen bringen es fertig, auf ihren Manganknollen haftend, ihre harten Kalziumkarbonat-Skelette auch unter solchen extremen Bedingungen zu erhalten. Niemand weiß, wie sie das schafften.

Die meisten Verwandten von D. zoemetallicus in der Gattung Deltocyathus leben frei oder liegen locker auf dem Sediment. Lediglich die atlantische D. halianthus haftet ebenfalls an harten Substraten.

Tiefseekoralle mit einzigartiger ökologische Beziehung zu Manganknollen

Die Besiedlung von Manganknollen wirft Licht auf eine bislang einzigartige ökologische Beziehung. Da die Knollen nur wenige Millimeter pro Million Jahre wachsen, würde ihre „Ernte“ beim Tiefseebergbau nicht nur den Lebensraum der Koralle zerstören, sondern auch jede Möglichkeit zur Wiederbesiedlung verhindern.

„Der Schutz dieser Lebensräume bedeutet nicht nur, eine Koralle zu bewahren“, ergänzt Santodomingo. „Es geht darum, eine ganze Welt von Tiefseeleben zu erhalten, die verschwinden könnte, bevor wir überhaupt wissen, dass sie existiert.“

Massive Artenverluste beim Abbau von Manganknollen

Gemeinsam mit einem internationalen Team simulierten Wissenschaftler mit dem DISCOL-Experiment die Folgen des Tiefseebergbaus auf bodenlebende Organismen. Der Beginn der Versuchsreihe reicht bis ins Jahr 1989 zurück. Dabei pflügte man etwa 22 Prozent eines 10,8 Quadratkilometer großen manganknollenreichen Gebietes im südöstlichen Pazifik mit schwerem Gerät um. Anschließend wurde das Areal einen Monat, sechs Monate, drei Jahre, sieben Jahre und 26 Jahre auf Veränderungen in der Artenvielfalt untersucht.2

Demnach ist auch nach 26 Jahren ein erheblicher Artenverlust vorhanden. Betroffen sind insbesondere filtrierende Tiere und andere bodenlebende Organismen. Auch nach fast drei Jahrzehnten bleiben knapp 80 Prozent dieser Arten verschwunden.

Am wenigsten betroffen waren vom Abbau der Manganknollen auf dem Meeresboden fressende Organismen. Bei ihnen maßen die Forschenden einen Verlust von 2,6 Prozent.

Forscher untersuchen die Folgen des Abbaus von Manganknollen in der Tiefsee.

Profiler und Aquapix-Kamera am Meeresboden zwischen Manganknollen, © ROV Team/GEOMAR (CC-BY 4.0)

  1. Guadalupe Bribiesca-Contreras, Nadia Santodomingo et al., Hidden gems of the abyss: first species of azooxanthellate scleractinian coral (Scleractinia: Deltocyathidae) attached to polymetallic nodules in the eastern Pacific Ocean, Zoological Journal of the Linnean Society, Volume 205, Issue 3, November 2025
    https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlaf146 ↩︎
  2. Stratmann, T., Lins, L., Purser, A., Marcon, Y., Rodrigues, C. F., Ravara, A., Cunha, M. R., Simon-Lledó, E., Jones, D. O. B., Sweetman, A. K., Köser, K., and van Oevelen, D.: Abyssal plain faunal carbon flows remain depressed 26 years after a simulated deep-sea mining disturbance, Biogeosciences, 15, 4131–4145, https://doi.org/10.5194/bg-15-4131-2018, 2018. ↩︎

Titelfoto:
Die neu entdeckte Tiefseekoralle (Deltocyathus zoemetallicus) siedelt auf Manganknollen in mehr als 4.000 m Tiefe in der Clarion-Clipperton-Zone (CCZ) des Pazifischen Ozeans, © Bribiesca-Contreras et al, 2025


Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern von der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und Seas At Risk (SAR) für ein Verbot des Abbaus von mineralischen Bodenschätzen in der Tiefsee ein.

Logo der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC).
Internationale Koalition aus über 140 Nichtregierungsorganisationen, Fischereiorganisationen sowie Rechts- und Politikinstituten zum Schutz von Tiefsee-Ökosystemen.
Logo Seas At Risk
Zusammenschluss europäischer Umweltorganisationen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass das Leben in den Ozeanen reichhaltig und vielfältig ist, dem Klima standhält und nicht durch menschliche Aktivitäten bedroht wird.

Weiterführende Informationen

Geht es nach Plänen der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA), dann könnte es in weiten Teilen der Tiefsee bald aussehen wie im Braunkohlentagebau Garzweiler II. Denn die ISA erteilte bereits 30 Explorationslizenzen für Millionen Quadratkilometer Meeresboden. Sie liegen im Indischen, Atlantischen und Pazifischen Ozean. Nun drängen Investoren darauf, die Verhandlungen rasch zum Abschluss zu bringen. Sie wollen Manganknollen und andere Tiefseebodenschätze abbauen.