Abbau von Manganknollen

Geht es nach Plänen der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA), dann könnte es in weiten Teilen der Tiefsee bald aussehen wie im Braunkohlentagebau Garzweiler II. Denn die ISA erteilte bereits 30 Explorationslizenzen für Millionen Quadratkilometer Meeresboden. Sie liegen im Indischen, Atlantischen und Pazifischen Ozean. Nun drängen Investoren darauf, die Verhandlungen rasch zum Abschluss zu bringen. Sie wollen Manganknollen und andere Tiefseebodenschätze abbauen.

Abbau von Mangangknollen in der Tiefsee

Umfassende Auswertung der Umweltauswirkungen

Auf Initiative der Deep Sea Mining Campaign, MiningWatch Canada und Ozeanien-Dialog überprüften Experten über 250 wissenschaftliche Publikationen zu Umweltauswirkungen des Abbaus von Manganknollen. Ihren Bericht „Predicting the impacts of mining deep sea polymetallic nodules in the Pacific Ocean“ veröffentlichten sie im Mai 2020. Ihr Fazit ist eindeutig: Die Folgen sind irreversible Artenverluste und irreversible Schädigungen der Ökosysteme.

Der Abbau von Manganknollen in der Tiefsee gefährdet auch tief tauchende Pottwale.
Foto: Willyam

Dr. Helen Rosenbaum von der Deep Sea Mining Campaign erklärt: „Unsere Studie zeigt, dass der Abbau von Manganknollen nicht nur zu einem irreversiblen Verlust von Arten und Ökosystemen führen würde. Auch die versprochenen sozialen und wirtschaftlichen Gewinne für die pazifischen Inselstaaten sind fragwürdig. Bergbauunternehmen wie DeepGreen Metals erklären, dass sie für großen Reichtum mit minimalen oder gar keinen negativen Auswirkungen sorgen werden. Die Wissenschaft unterstützt diese Behauptungen nicht! Dabei ist der Einsatz extrem hoch. Fischerei, Inselkulturen, Lebensgrundlagen, Ernährungssicherheit, Tourismus und einzigartige Meereslebewesen sind in Gefahr“.

Damit bestätigen sich die Ergebnisse einer Studie des Senckenberg-Forschungsinstituts in Frankfurt aus dem Jahr 2018.

Senckenberg-Studie zu Langzeitfolgen des Abbaus von Mangangknollen

Gemeinsam mit einem internationalen Team untersuchten Senckenberg-Wissenschaftlerinnen die Auswirkungen des Abbaus von Manganknollen auf die Artenvielfalt. Demnach ist noch 26 Jahre später ein erheblicher Artenverlust vorhanden. Betroffen sind insbesondere filtrierende Tiere und andere bodenlebende Organismen. Noch über zwei Jahrzehnte nach dem Abbau bleiben knapp 80 Prozent dieser Arten verschwunden. Die Studie erschien 2018 im Fachjournal „Biogeosciences“.

Manganknolle aus dem Untersuchungsgebiet im Pazifik.

Manganknolle aus dem Untersuchungsgebiet im Pazifik. Foto: Senckenberg/Lins

Die Versuchsreihe begann 1989. Etwa 22 Prozent eines 10,8 Quadratkilometer großen manganknollenreichen Gebietes im südöstlichen Pazifik wurden mit schwerem Gerät umgepflügt. Anschließend untersuchten die Forscher das Areal einen Monat, sechs Monate, drei, sieben und 26 Jahre nach der Störung. Daraus konnte man die Entwickung der Vielfalt von Makro- und Megafauna und die Fischhäufigkeit beurteilen.

„Wir haben diese einzigartige Zeitreihe aus der Tiefsee genutzt, um Nahrungskreisläufe für karbonatproduzierende und -fressende Organismen zu entwickeln. Aus diesen können wir dann ableiten, welche Auswirkungen das Umgraben des Meeresbodens innerhalb und außerhalb des gepflügten Bereiches hat“, erklärt Zweitautorin Dr. Lidia Lins vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt.

Lang anhaltende, massive Artenverluste am Meeresboden

Noch 26 Jahre nach dem Experiment lag die Gesamtmasse von Kalk bildenden Organismen innerhalb des gestörten Bereiches 54 Prozent unterhalb der Masse außerhalb des Gebietes. Am wenigsten betroffen waren dabei die auf dem Meeresboden fressenden Organismen. Im Vergleich verzeichneten sie einen Verlust von 2,6 Prozent. „Die filtrierende und suspensionsfressende Fauna hat es umso härter getroffen. Hier gibt es knapp 80 Prozent weniger Aktivität“, ergänzt Lins und fügt hinzu: „Wir konnten zeigen, dass sich die Ökosysteme in der Tiefsee nur sehr langsam von Eingriffen erholen – fast 30 Jahre nach einer vergleichsweisen kleinen Störung ist gerade mal die Hälfte an Leben in das Gebiet zurückgekehrt. Daher plädieren wir für Schutzzonen in den Ozeanen!“

Originalpublikation:
Stratmann, T., Lins, L., Purser, A., Marcon, Y., Rodrigues, C. F., Ravara, A., Cunha, M. R., Simon-Lledó, E., Jones, D. O. B., Sweetman, A. K., Köser, K., and van Oevelen, D.: Abyssal plain faunal carbon flows remain depressed 26 years after a simulated deep-sea mining disturbance, Biogeosciences, 15, 4131-4145, 2018. https://doi.org/10.5194/bg-15-4131-2018


Die Deutsche Stiftung Meeresschutz unterstützt als Mitglied der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und des Bündnisses Seas at Risk den globalen Kampf gegen den Tiefseebergbau.


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