Neuseeland: Oberster Gerichtshof untersagt Tiefseebergbauprojekt

Anfang Oktober verbot der Oberste Gerichtshof Neuseelands ein gigantisches Tiefseebergbauprojekt vor der Küste des Landes. In dem Urteil bestätigt der Gerichtshof, dass der geplante Abbau zu gefährlich, zu riskant und zu umweltschädlich ist. Das Offshore-Bergbauunternehmen Trans-Tasman Resources (TTR) wollte in der South-Taranaki-Bucht 35 Jahre lang jährlich bis zu 50 Millionen Tonnen Eisensand vom Meeresboden fördern. Dabei hoffte man, etwa 5 Millionen Tonnen Eisenerz zu gewinnen. Anschließend wollte man den Rest, also mindestens 45 Millionen Tonnen nicht ergiebigen Sandes, wieder im Meer verklappen.

Tiefseebergbauprojekt gefährdet bedrohte Arten

Die South Taranaki Bight ist eine große Bucht. Sie erstreckt sich im südöstlichen Küstenbereich an der Nordinsel Neuseelands. Hier leben mehr als 35 Meeressäugerarten. Darunter mindestens acht Arten oder Unterarten, die von der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als bedroht oder gefährdet eingestuft sind. So etwa eine genetisch isolierte und residente Population neuseeländischer Zwergblauwale. Sie wurde erst vor Kurzem entdeckt.

Das Tiefseebergbauprojekt hätte den Lebensraum von Zwergpinguinen zerstört

Zwergpinguine sind nur knapp über 25 cm groß und wiegen etwa 1 kg – © iStock.com/ozflash

Hinzu kommen einige Māui-Delfine, eine Unterart des Hector-Delfins. Sie sind akut vom Aussterben bedroht. Ihr Bestand liegt nach offiziellen Angaben bei nur noch zwischen 57 und 75 erwachsenen Tieren. Es sind die kleinsten und seltensten Delfine der Welt.

Außerdem leben in der Bucht auch die kleinsten Pinguine der Welt, die Zwergpinguine oder Kororās in der Sprache der Maoris.

Neuseeländische Regierung soll Bergbau am Meeresboden verbieten

Die Anträge von Trans-Tasman Resources für das South Taranaki Bight Tiefseebergbauprojekt durchliefen eingehende, wochenlange Anhörungen und Stellungnahmen. Daran beteiligte sich ein breites Spektrum der Zivilgesellschaft. Von Māori-Stämmen, der Fischereiindustrie, von Umwelt- und lokalen Gruppen bis hin zu unabhängigen Wissenschaftlern.

Den Gang vor den Obersten Gerichtshof hatte das Bergbauunternehmen selbst angestrengt. TTR wollte damit vorinstanzliche Urteile aushebeln. Doch die höchsten Richter des Landes beklagten unzureichende Antragsunterlagen. Unter anderem hatte TTR keinerlei Information zu möglichen Auswirkungen auf Meeressäuger und Seevögel eingereicht.

Damit scheiterte bereits der dritte derartige Antrag in Neuseeland seit 2013. Für TTR war es der zweite Antrag nach 2014.

Nun fordern die Gegner von der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern eine Grundsatzentscheidung. Ardern soll die Gelegenheit nutzen, ein Moratorium für Tiefseebergbauprojekte vor der Küste des Landes zu verhängen.

Mobilitätswende befeuert Tiefseebergbauprojekte

Ein Faktor, der das Interesse an Tiefseebergbauprojekten zunehmend verstärkt, ist die weltweit gestiegene Nachfrage nach Rohstoffen für die Batterieproduktion.

Daher drängt die für die Vergabe der Abbaulizenzen zuständige Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA) darauf, Abbaulizenzen zu vergeben.

Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee.

Weltkarte der Mineralienlagerstätten in der Tiefsee. Aus dem Report „Predicting the impacts of mining deep sea polymetallic nodules in the Pacific Ocean“

Widerstand wächst

Anfang September stimmte eine Mehrheit der Mitglieder der IUCN auf dem alle vier Jahre stattfindenden IUCN-Weltnaturschutzkongress für ein Moratorium für Tiefseebergbauprojekte. In der Resolution heißt es außerdem, die ISA solle reformiert werden.

Verbot von Tiefseebergbauprojekten in Fidschi

Während der IUCN-Konferenz verkündete der Premierminister von Fidschi Frank Bainimarama ein Verbot für den Abbau von Meeresbodenschätzen in fidschianischen Gewässern.

Wissenschaftler warnen

Mittlerweile warnt eine Phalanx von mehr als 500 Wissenschaftlern aus 44 Ländern vor den negativen Umweltauswirkungen des Tiefseebergbaus.

Europäisches Parlament fordert Moratorium

Im Juni schloss sich das EU-Parlament mit einer Entschließung der Empfehlung der Wissenschaftler an und forderte Reformen bei der ISA.

Northern Territory verbietet Tiefseebergbauprojekte

Bereits im Februar 2021 hatte die Regionalregierung des Northern Territory (Nordterritorium, Australien) angekündigt, Tiefseebergbauprojekte zu verbieten. Damit will man sowohl Küstenökosysteme als auch die regionale Wirtschaft vor Gefahren und Schäden schützen.

Jonathan Mesulam von der Allianz der Solwara-Krieger und sein Sohn William.

Jonathan Mesulam von der Allianz der Solwara-Krieger hält mit seinem Sohn William eine ganzseitige Zeitungsanzeige, mit der die PNG-Regierung aufgefordert wird, Tiefseebergbau-Lizenzen zu widerrufen

Vor der Küste des Northern Territory waren 26 Explorationsstätten für den Abbau von Mangan und anderen Tiefseemineralien auf einer Fläche von bis zu 9600 km2 geplant.

Von dieser Entscheidung besonders erleichtert ist dabei die Allianz der Solwara-Krieger in Papua-Neuguinea (PNG). „Wir gratulieren. Seit über einem Jahrzehnt kämpfen wir gegen eine Betriebsgenehmigung für das erste Tiefseebergbauprojekt der Welt. Die in der Bismarcksee geplante Solwara-1-Mine liegt nur 25 km entfernt von meinem traditionellen Dorf“, erklärt Jonathan Mesulam, Sprecher der PNG-Solwara-Krieger.

„PNG benötigt keinen Tiefseebergbau. Wir sind mit reichlich Fisch und produktiven landwirtschaftlichen Flächen gesegnet. Der Abbau von Bodenschätzen am Meeresboden wird nur einer kleinen Anzahl von Menschen zugutekommen. Diese sind reich und haben kein Interesse am Fortbestand unserer Gemeinden und indigenen Lebensweise“, betont Mesulam.


Die Deutsche Stiftung Meeresschutz unterstützt als Mitglied der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) und des Bündnisses Seas at Risk den globalen Kampf gegen den Tiefseebergbau.


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