Miami Seaquarium soll geschlossen werden!

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Am 13. März 2024 berichteten US-Medien, dass das Miami Seaquarium schließen soll. Der Pachtvertrag wurde vom Bezirk Miami-Dade gekündigt. Das Seaquarium soll das Grundstück bis zum 21. April verlassen. Allerdings ist noch unklar, was mit den noch in der Anlage lebenden Tieren passiert. Zudem könnten die Betreiber die Entscheidung anfechten. Die 1955 eröffnete Anlage ist einer der ältesten Aquaparks in den USA. Seine Geschichte ist durchzogen von einer nicht enden wollenden Abfolge grober Tierquälereien und von mehr als 120 toten Meeressäugern1. Bekanntester Insasse war das 57 Jahre alte Orcaweibchen „Lolita“, das kurz vor seiner geplanten Umsiedlung am 18. August 2023 nach über 50 Jahren in Gefangenschaft an Nierenversagen starb.

Das Betonbecken, in dem der ca. 6 m große Schwertwal bis zuletzt sein „Leben“ verbrachte, ist nicht einmal so groß wie ein Olympiaschwimmbecken (50 x 25 m): Es misst nur etwa 24 x 11 m und ist an der tiefsten Stelle nur rund 6 m tief.

Desolat und veraltet

In dem Aquapark leben oder lebten neben zwei Orcas unter anderem Große Tümmler, Weißstreifendelfine, Seelöwen, Seehunde, Manatis, Flamingos und Papageien.

Ein Delfin im Miami Seaquarium, der Tokitae (Lolita) Gesellschaft leisten musste.
Auch Große Tümmler und andere Meeressäuger müssen im Miami Seaquarium das zahlende Publikum unterhalten. Natalie Scott/Unsplash

Das Miami Seaquarium geriet wegen schlechter Haltungsbedingungen immer wieder in die Schlagzeilen. 2019/2020 starben innerhalb eines Jahres 5 Große Tümmler und 1 Seelöwe unter unnatürlichen Umständen.

Die jährlichen Untersuchungsberichte der zuständigen APHIS-Behörde des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums lesen sich wie ein Sammelsurium des Grauens: schmutziges Wasser, Futterentzug, vergammeltes Futter, kranke Tiere, Becken ohne Sonnenschutz.

Die Inspektoren fanden auch eine Ameisenkolonie, die in der Tierklinik und in Medikamenten und Vitaminen lebte. Sie fanden abblätternde Farbe im Pinguingehege, einen „starken schädlichen Geruch“ im Papageienbereich und „stehendes, trübes Wasser mit Grünalgen“ in einem Flamingogehege.

Die APHIS-Bundesinspektoren entdeckten einen Delfin mit einem zwei Zentimeter langen Nagel im Hals. Ein anderer hatte einen zerbrochenen Metallbolzen im Maul und wieder ein anderer Zement im Verdauungstrakt. Und Lolita musste bis 2021 sogar trotz offensichtlicher Kieferverletzungen weiter an den Shows teilnehmen.

Romeo – ein einsamer Manati im Glück

Neben Lolita gab es noch ein weiteres Meeressäugetier, welches die Betreiber aus unerfindlichen Gründen einzeln und jahrzehntelang in einem winzigen Becken hielten: die 67 Jahre alte Seekuh (Manati) Romeo.

Romeo kam 1956 ins Seaquarium und lebte dort mindestens seit April 2023 allein. Sein Becken? Es war winzig, hatte einen Durchmesser von ca. 9 m! Nachdem ein Video über das elende Leben des uralten Manatis viral ging und einen Proteststurm auslöste, gab das Seaquarium Romeo und zwei weitere Manatis Ende 2023 ab.

Zusammen mit ihm kam auch seine zeitweilige Gefährtin Julia in eine Manati-Gruppe im Zoo von Tampa in Florida. Unterstützt wurde die Aktion von der auf Rettung und Pflege verletzter und kranker Manatis spezialisierten Organisation Manatee Rescue and Rehabilitation Partnership.

  1. laut dolphinproject.org ↩︎

Titelfoto: Kristopher Matte / pixabay