Nachhaltiges Whalewatching vor La Gomera

Sommer, Sonne und Wale beobachten? La Gomera weist den Weg

Tunesien, Ägypten, Türkei – die klassischen Reiseziele der Deutschen werden seit einigen Jahren von Terror und lokalen Unruhen erschüttert. Von dieser besorgniserregenden Entwicklung profitieren aber insbesondere die Kanarischen Inseln. Diese erleben in den letzten vier Jahren einen enormen Zuwachs an Tourismus. Viele Gäste wollen hier nicht nur Wale beobachten, sondern auch Delfine. Nachhaltiges Whalewatching vor La Gomera gilt auf den Kanaren als Leuchtturmprojekt.

Im ersten Quartal 2019 sind insgesamt 7.335.645 Touristen auf den Kanarischen Inseln gelandet, dass entspricht einer Zunahme von knapp 6 % im Vergleich zum Vorjahr. Wer auf den Kanarischen Inseln Urlaub macht, wird zwangsläufig irgendwann in Kontakt mit einem der ansässigen Whalewatching-Anbieter kommen. In fast jedem etabliertem Urlaubsort findet man mittlerweile unzählige Veranstalter – und das nicht ohne Grund.

Knapp 30 verschiedene Wal- und Delfinarten kann man beim Whalewatching vor La Gomera antreffen

Zügeldelfine schwimmen gemeinsam mit Pilotwalen vor La Gomera.

Zügeldelfine schwimmen gemeinsam mit Grindwalen vor La Gomera. © canarianfeeling.de

Die Gewässer rund um die Kanarischen Inseln gehören mit zu den besten Whalewatching-Spots in ganz Europa. Hier wurden in den letzten Jahren knapp 30 verschiedene Wal- und Delfinarten gesichtet und bestimmt.

Zentrum des Whalewatching-Tourismus auf La Gomera ist Valle Gran Rey

Ein ganz besonderer Ort, um die Meeressäuger zu beobachten, ist die zweitkleinste Kanareninsel La Gomera. Auf Grund der Strömungen und des daraus resultierenden Nahrungsaufkommens gibt es dort besonders viele Arten.

Der Großteil der Anbieter hat seinen Sitz im touristisch erschlossenen Ort Valle Gran Rey, welcher im Westen der immergrünen Insel liegt. Hier findet man zudem die schönsten Strände der Insel. Auch deswegen ist der beschauliche Ort bei Touristen so beliebt.

Nachhaltiges Whalewatching vor La Gomera: Wale beobachten auf die sanfte Tour

Auch auf La Gomera hat die Anzahl der Whalewatching-Anbieter in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Allerdings hat man hier auch die damit zusammenhängenden Chancen erkannt und es wird überwiegend „respektvolles“ Whalewatching angeboten.

Zügeldelfine.

Zügeldelfine vor La Gomera. © canarianfeeling.de

Der Anbieter Oceano Gomera beispielsweise arbeitet sehr eng mit dem in Berlin ansässigen Verein M.E.E.R. e.V. zusammen, welcher sich für den Schutz und die Erforschung der Meeressäuger einsetzt. Die langjährige Zusammenarbeit hat unter anderem dazu beigetragen, dass das Artenvorkommen an Walen und Delfinen rund um die Kanarischen Inseln nun besser erforscht ist.

Die Forschungen des gemeinnützigen Vereins und deren Ergebnisse werden international auf Konferenzen und in Fachgruppen vorgestellt sowie in wissenschaftlichen Literaturen veröffentlicht. Auf der Website von Canarianfeeling finden Sie weiterführende Informationen über das nachhaltige und respektvolle Whalewatching auf La Gomera und die Arbeit des M.E.E.R. e.V.

Risiken und Nebenwirkungen beim Walebeobachten

Pilotwal beobachtet Whalewatcher.

Men watching – Grindwal beobachtet Whalewatcher.
© canarianfeeling.de

Was sich auf den ersten Blick durchaus positiv anhört, das birgt auch gewisse Risiken, insbesondere für die sensiblen Meeresbewohner.

Abgesehen von der intensiven Überfischung der Meere, der immer schlimmer werdenden Meeresverschmutzung und der großen Schnellfähren birgt vor allem das Massen-Whalewatching, wie es beispielsweise auf Teneriffa betrieben wird, große Gefahren für die Tiere.

Oftmals werden die Meeressäuger von den teilweise sehr großen Booten regelrecht bedrängt. Mindestabstände werden nicht eingehalten. Und es halten sich Gerüchte, dass einige Anbieter die Tiere auch anfüttern und so ihr natürliches Jagdverhalten stören und verändern.

Durch die Regelmäßigkeit und die zunehmenden Massen an Anbietern fühlen sich die Tiere in ihrem Lebensraum bedrängt. Diese Entwicklung kann negative Auswirkungen auf den Bestand und das gesamte Ökosystem der Inseln haben.

Es mangelt an einheitlichen Regelungen und Kontrollen

Leider gibt es immer noch keine internationalen und einheitlichen Regelungen, welche diese negative Entwicklung stoppen könnten. Seit einigen Jahren existieren zwar gesetzliche Regelungen auf den Kanarischen Inseln, welche theoretisch auch von allen Anbietern eingehalten werden müssen.

Die gelbe WW-Flagge

Die gelbe WW-Flagge: An ihr erkennt man, dass ein kanarischer Anbieter eine Whalewatching-Lizenz besitzt.

Doch es stehen immer noch viel zu wenige Mechanismen zur Verfügung, welche die strikte Befolgung dieser Regularien kontrollieren. Man kann nur hoffen, dass hier irgendwann die Vernunft siegt. Ansonsten kann das relativ zeitnah gravierende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem der Weltmeere haben!

Auch Sie als Tourist werden hier in die Verantwortung genommen. Wenn Sie die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchten, dann spricht erst einmal nichts dagegen. Aber schauen Sie sich im Vorfeld das Konzept der einzelnen Anbieter genau an und fahren Sie mit möglichst kleinen Booten hinaus.

Auch die Flagge „Barco Azul“ (Regulationen der Kanarischen Inseln) gibt erste Hinweise darauf, dass sich der Anbieter an diese Regularien hält.

Pilotwalmutter mit Baby.

Grindwalmutter mit Baby. © canarianfeeling.de

Foto oben: © canarianfeeling.de