Schiff überfährt Kalb seltener Walart

Nordatlantische Glattwale: Dem Aussterben ein Stück näher

Anfang Juli 2020 starb ein kleiner, sehr seltener Wal vor der Küste von New Jersey (USA). Das männliche Walkalb wurde knapp ein halbes Jahr alt. Es war eines von nur zehn Neugeburten der Nordatlantischen Glattwale (Eubalaena glacialis) vom Winter 2019/2020. Von dieser vom Aussterben bedrohten Bartenwalart gibt es weltweit weniger als 366 Exemplare. Immerhin konnte die Fischereiabteilung der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA Fisheries) die Todesursache schnell aufklären. Ein Schiff hatte den kleinen Wal überfahren. Und das nicht zum ersten Mal. Während er die erste Kollision noch überlebte, war die zweite tödlich.

Nordatlantische Glattwale sind Küstenwanderer

Grafik Right Whale Dynamic Management Area (DMA) von NOAA Fisheries.

Vor der US-Küste gibt es für Schiffe von über 20 m Länge zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Regionen Langsamfahr- oder Umfahrensgebote. Damit sollen Kollisionen mit Nordkapern vermieden werden. Dennoch gelingt es nicht, dass sich der Bestand vermehrt.

Die bis zu 18 m großen und 80 Tonnen schweren, auch Nordkaper genannten Wale wandern mit Vorliebe sehr nah an der nordamerikanischen Küste.

Damit bewegen sie sich genau auf viel befahrenen Schifffahrtsrouten. Zwar gibt es vor der US-Küste ein spezielles Warnsystem der NOAA. Doch Kollisionen lassen damit nicht ganz vermeiden.

Jedes Kalb der kleinen Population ist bekannt

NOAA-Wissenschaftler registrieren penibel jedes Nordkaperkalb. Zuletzt sah man den Kleinen, dessen Leben vor New Jersey abrupt beendet wurde, am 6. April vor der Küste von North Carolina.

Von zwei Schiffskollisionen war eine zuviel

Das getötete Walkalb.

Das getötete Walkalb. Auf dem Kopf sieht man weiße Narben, verursacht von einer Schiffsschraube. Center for Coastal Studies, NMFS Permit # 18786-04

Bei der Obduktion durch Experten der NOAA zeigte sich, dass das Walkalb schon einmal von einem Schiff überfahren worden sein musste. Denn sein Körper wies mehrere bereits verheilende Schnittwunden von einem Schiffspropeller an Kopf und Brust auf. Vermutlich behinderten sie den kleinen Wal.

Bei der zweiten Kollision dann zog er sich sehr tiefe Wunden durch Propeller und Ruderblatt eines Schiffes zu und starb.

Bereits der 41. Todesfall seit 2017

Mit dem jüngsten Verlust sind nun innerhalb von nur drei Jahren etwa zehn Prozent des Gesamtbestands dieser Art durch eine unnatürliche Todesursache gestorben.

Neben Schiffskollisionen ist das Verfangen in Fischereileinen der Hummerfischerei die Haupttodesursache für Nordatlantische Glattwale.

Lassen Sie uns gemeinsam das sinnlose Sterben in unseren Meeren beenden: Das MSC-Siegel muss halten, was es verspricht.

Flyer als PDF-Download: „Was Sie sehen – Was Sie nicht sehen“ MSC-zertifizierte Fischereien auf Eismeerkrabben und Hummer

Hummerfischer befestigen ihre am Meeresgrund ausgelegten Fanggeräte mit reißfesten Leinen an Bojen, die an der Meeresoberfläche dümpeln.

Damit können sie die Hummerfallen finden und einholen. Nordkaper jedoch können die Leinen nicht sehen oder orten, schwimmen fast zwangsläufig hinein. Das ist fatal.

Die großen Tiere verheddern sich. Sie winden und sie drehen sich. Doch allzu oft gelingt es ihnen nicht, sich zu befreien.

Das dann folgende Martyrium dauert Wochen, Monate. Der Tod ist schließlich eine Erlösung.

MSC-Fischlabel für nachhaltige Fischerei mitverantwortlich für das Aussterben

Trotz der seit Langem bekannten Gefahr, die von den Fallen und Reusen an der Ostküste Kanadas und der USA für die letzten Nordatlantischen Glattwale ausgeht, erteilte das MSC (Marine Stewardship Council) sieben derartigen Fischereien sein begehrtes Fischsiegel für Eismeerkrabben und Hummer.

Foto oben:
Das Kalb mit seiner Mutter kurz nach der Geburt. (c) Clearwater Marine Aquarium Research (CMAR)