Wale und Delfine: Verhaltenstipps

Verhaltenstipps für Begegnungen mit Walen und Delfinen in freier Wildbahn

Voraussetzung bei einer Begegnung mit wild lebenden Walen und Delfinen sollte immer der Respekt vor den Tieren sein und das Bewusstsein, dass man sich in ihrem Lebensraum aufhält. Durch sein eigenes Verhalten kann man entscheidend dazu beitragen, dass das Aufeinandertreffen für beide Seiten zu einem wundervollen Erlebnis und nicht zu einer zusätzlichen Belastung und Gefährdung für die Tiere wird. Hier die wichtigsten Verhaltenstipps Wale und Delfine – für nachhaltiges Whalewatching.

  • Auf eigene Faust
  • Kommerzielles Whalewatching – worauf muss man achten?

Keine einheitlichen Regeln

In europäischen Gewässern sind Meeressäuger größtenteils durch internationale Abkommen und nationale Gesetzgebung geschützt. Sie dürfen nicht getötet, gejagt, gefüttert oder in ihren natürlichen Verhaltensweisen gestört werden. Mitunter ist auch das Schwimmen mit ihnen verboten.

Delfinbeobachtung in der Adria.

So ist es richtig: Nicht auf die Meeressäuger zufahren, auch nicht mit langsamer Fahrt. Nie seitlich nähern, nie frontal, von vorn oder hinten. Foto: Ulrike Kirsch

Die Regeln für das Beobachten frei lebender Meeressäuger variieren von Land zu Land. Die folgenden Verhaltenstipps Wale und Delfine sind Empfehlungen und angelehnt an die Vorgaben der kroatischen Naturschutzbehörde und des Meeressäugerschutzabkommens im Mittelmeer ACCOBAMS.

Wale und Delfine: Verhaltenstipps
Grundsätzlich gilt: Lassen Sie den Tieren die Wahl!

👉 Wenn die Tiere mit Ihnen interagieren wollen, dann genießen Sie die Begegnung entspannt und ohne hektische Bewegungen oder abrupte Fahrtrichtungsänderungen.

👉 Wenn die Wale oder Delfine sich wieder von Ihnen entfernen, lassen Sie sie ziehen. Auf keinen Fall hinterherjagen.

Fischer schaut von seinem Boot auf einen Adria-Delfin.

Friedliche Mensch-Delfin-Begegnung in der Adria – Foto: Ulrike Kirsch

👉 Mit dem Boot einen Mindestabstand von 100 Metern einhalten. Es sollten nie mehr als 3 Boote gleichzeitig bei einer Beobachtung anwesend sein.

👉 Wenn die Tiere mit Ihnen interagieren wollen, dann genießen Sie die Begegnung entspannt und ohne hektische Bewegungen oder abrupte Fahrtrichtungsänderungen.

👉 Als Faustregel gilt, je mehr Boote bei einer Beobachtung anwesend sind, desto größer sollte der Abstand zu den Meeressäugern sein. Die Tiere könnten sich sonst eingekesselt oder bedrängt fühlen.

👉 Bleiben Sie nicht länger als ca. 30 Minuten, es sein denn, die Tiere folgen ihrem Boot oder schwimmen in der Bugwelle mit.

👉 Fahren Sie nicht auf die Meeressäuger zu, auch nicht mit langsamer Fahrt. Nähern Sie sich den Tieren nur seitlich, nie frontal von vorn oder hinten. Vermeiden Sie abrupte Richtungs- und Beschleunigungsänderungen. Beschleunigung beim Wegfahren erst nach Erreichen eines Mindestabstands von 100 m.

Touristen in einem Schlauchboot bedrängen Delfine vor Hurgahda im Roten Meer.

Massentourismus vertreibt Delfine aus wichtigen Rückzugs- und Ruheräumen – Foto: DWA

👉 Sind die Meeressäuger in Ihrer Nähe, schalten Sie in den Leerlauf.

👉 Jagen Sie den Meeressäugern nicht hinterher. Wenn sich die Meeressäuger für Sie und Ihr Boot interessieren, dann kommen diese von ganz allein näher und bleiben meist so lange, bis die Situation für sie uninteressant geworden ist.

👉 Wenn Delfine in der Bugwelle des Bootes surfen, Kurs halten und plötzliche Fahrtrichtungsänderungen vermeiden.

Springender Adria-Delfin.

Genießen Sie den Augenblick in Ruhe und mit Respekt – Foto: Ulrike Kirsch

👉 Zu Ihrer eigenen Sicherheit und zu der der Tiere: Meeressäuger nicht berühren und nicht füttern (Übertragung von Krankheiten von Mensch zu Tier und umgekehrt).

👉 Für Schwimmer, Schnorchler und Taucher: Legen Sie die Arme an den Körper und bewegen sich ruhig und ohne Hektik. Genießen Sie den Augenblick in Ruhe und mit Respekt.

👉 Werfen Sie keinen Abfall ins Wasser. Wale und Delfine können an verschluckten Plastiktüten (die sie u.U. für Nahrung halten) sterben!

Kranke, verletzte, tote Meeressäuger

Finden Sie ein krankes, verletztes oder totes Tier, dann kontaktieren Sie die Wasserschutzpolizei oder Hafenmeisterei oder gegebenenfalls eine örtliche Naturschutzorganisation, soweit Ihnen eine bekannt ist.

 

Wale und Delfine: Verhaltenstipps
Kommerzielles Whalewatching – worauf muss man achten?

Whalewatching mit Buckelwalen.

Foto: tiffanyt auf pixabay

Wal- und Delfinbeobachtungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit – und sind ein lukratives Geschäft für die Veranstalter. Whalewatching kann jedoch eine Gefahr oder Belästigung für die Tiere werden, wenn keinerlei Regeln für sanftes Beobachten eingehalten werden. Es kann zu Verletzungen und veränderten Verhaltensweisen kommen oder die Tiere werden aus ihrem Lebensraum vertrieben.

Woran erkenne ich einen verantwortungsbewussten Veranstalter?

Generell: Finger weg von Touren, die mit Sichtungsgarantie oder Geld-zurück-Angeboten werben. Auch Veranstaltungen mit Party und Musik haben nichts mit naturverträglicher Beobachtung zu tun.

Bei der Auswahl sollten Sie daher darauf achten, ob folgende Aspekte befolgt werden

👉 Zusammenarbeit mit Wissenschaft/NGOs – Sichtungsdaten werden mit Experten geteilt.

👉 Naturführer sind mit an Bord, die den Gästen Hintergründe über Biologie, Verhalten und Schutz bzw. Gefahren für Meeressäuger erklären.

👉 Beim Schwimmen mit Walen oder Delfinen wird darauf geachtet, dass der Wille der Tiere respektiert wird. Es wird gewartet, bis sich ein „aufgeschlossenes“ Tier den Menschen nähert. Man wird angehalten, sich im Wasser ruhig zu verhalten, den Tieren nicht hinterherzuschwimmen, keinen Lärm zu machen.

Whalewatching bei Alaska.

Foto: lizhoffmaster auf pixabay

👉 Einhaltung von Mindestabständen zu den Tieren.

👉 Es darf immer nur eine bestimmte Anzahl von Booten im Beobachtungsgebiet anwesend sein (meist 1-3).

👉 Es gibt kein Hinterherjagen, keine abrupten Richtungsänderungen. Man wird angehalten, keinen Lärm zu machen und keinen Müll ins Meer zu werfen.

 

Bildspenden

Wir sind immer an schönen und/oder dokumentarischen Fotos interessiert und freuen uns über Bildspenden. Autor/Copyright wird natürlich immer genannt. (info[at]stiftung-meeresschutz.org).

 

Lesetipp

„Wie ferngesteuert streckte ich meine Hand nach seinem Kopf aus, um eine Kollision zu verhindern und um ihn so auf Distanz zu halten.“ Ralf Kiefners erster Wal aus nächster Nähe, ein Glattwal: Freund oder Feind? Auf alle Fälle eine eindrucksvolle Begegnung … so viel sei verraten. Das neue Buch von Tierfilmer Ralf Kiefner