Meeresschutz im Alltag

8 Minuten

Meeresschutz im Alltag ist einfacher als gedacht. Jeder kann durch sein Verhalten zum Schutz von Meeresumwelt und Meerestieren beitragen. Unser Konsumverhalten entscheidet mit über die Zukunft der Meere!

Weniger Plastik im Alltag

Deutschland nimmt in Europa die wenig ruhmreiche Spitzenposition beim Verbrauch von Plastik ein. Das muss nicht sein! Machen auch Sie mit! Man kann mit viel weniger Plastik im Alltag auskommen. Es ist ganz einfach und tut auch nicht weh.

Meeresschutz im Alltag: PET-Flaschen in einem Netz.

Wie lässt sich der Eintrag von Plastik in die Meere verringern?

Lassen Sie Plastik-Umverpackungen für Obst und Gemüse oder andere Produkte im Laden zurück. Denn der Handel ist verpflichtet, hierfür entsprechende Sammelboxen aufzustellen. Am Ende des Tages müssen sich Hersteller und Handel dem Problem stellen. So gerät der universelle Verpackungswahn zum Boomerang.

Nehmen Sie zum Einkaufen Jute- oder Baumwolltaschen aus zertifzierter Bio-Baumwolle mit. Denn diese lassen sich jahrelang immer wieder nutzen. Auch das ist praktischer Meeresschutz im Alltag.

Mehrwegprodukte sollten, wo immer möglich, genutzt werden! Zwar ist in der EU seit Juli 2021 die Verwendung von zehn Einwegkunststoffprodukten verboten. Dazu gehören u. a. Einweg-Geschirr aus Plastik und aus „Bioplastik“, Trinkhalme oder Einweg-Behälter aus Styropor. Restbestände dürfen allerdings noch verbraucht werden. Dies und einiges mehr regelt die Einwegkunststoff-Verbotsverordnung oder Single-Use Plastics Directive (SUP-Richtlinie).

Meeresschutz im Alltag: Plastikmüll an Stränden beseitigen.

Die meisten der an Stränden entdeckten Abfälle sind aus Einwegkunststoffprodukten und weggeworfener Fischereiausrüstung

Dennoch sind die bereits in der Umwelt befindlichen Einwegplastikprodukte damit nicht verschwunden. Einwegbecher gehören immer noch zur „Top Ten“ der kunststoffhaltigen Einwegprodukte, die in Europa am häufigsten an Meeresstränden zu finden sind. Aber auch in Wald und Flur sind sie nach wie vor alltäglich. Hinzu kommt, dass einige der Einwegersatzprodukte wie plastikbeschichtete Pappbecher die Umwelt gleichermaßen belasten. Zudem sind sie schwieriger zu recyceln.

Mikroplastik

Mikroplastik ist eine Gefahr für das Leben in den Meeren. Zu guter Letzt aber auch für uns! Daher kann man z. B. Kosmetikprodukte verwenden, die kein Mikroplastik enthalten. Auch ist Mikroplastik leider in sehr vielen Peelings, Duschgels, Hautcremes und anderen Körperpflegeprodukten enthalten. Doch auch hier gibt es Online-Einkaufsratgeber für Produkte ohne Mikroplastik.

Oder probieren Sie es doch einmal mit nicht in Plastikspendern daherkommender Seife zum Duschen und Haare waschen (mit speziellen Haarseifen).

Meeresschutz im Alltag mit Müllsammelaktionen

Müllsammelaktionen gibt es weltweit an vielen Stränden, so auch an Nord- und Ostsee. Die US-Umweltorganisation Ocean Conservancy ruft jedes Jahr am dritten Samstag im September zum weltgrößten Reinigungstag auf. In Deutschland organisiert der NABU die Müllsammelaktionen.

sana mare social cleanup, Kenia.

social cleanup / Strandsäuberung in Mombasa, Kenia – Foto: sana mare

Abgesehen davon, dass gemeinsames Handeln für eine saubere Umwelt viel Spaß macht, liefern Sammelaktionen auch noch wichtige Informationen über das Ausmaß des Meeres-Müllproblems sowie über Zusammensetzung und Herkunft der Abfälle.

Urlaub am Meer

Beim Urlaub am Meer, an Küste und Strand oder beim Whalewatching kann man durch richtiges Verhalten viel zum Schutz der Meeresumwelt und der Meerstiere beitragen. So erfreut sich das Schwimmen mit wild lebenden Delfinen immer größerer Beliebtheit. Doch Wissenschaftler beobachten zunehmend negative Auswirkungen bei touristisch intensiv genutzten Meeressäugerpopulationen. Sensible Küstengebiete wie Salzwiesen oder Dünenlebensgemeinschaften werden ge- und zerstört. Ganz abgesehen von der enormen Müllmenge, die gedankenlose Touristen beim Urlaub am Meer einfach liegen lassen.

Auch kleine Meerestiere müssen mit Respekt behandelt werden. Vielfach aus Unwissenheit werden beim Strandurlaub Seesterne, Seepferdchen, Muscheln, Krebse, und kleine Fische aus ihrem Lebensraum entfernt. Selbst wenn das nur für kurze Zeit geschieht, es endet meist tödlich für die Tiere!

Meeresschutz im Alltag: kleine Meerestiere mit Respekt behandeln.d

Hinterlasse nur Fußspuren …

Pfotenspuren im Watt - Aktionstipps für nachhaltigen Urlaub am Meer

Selbstverständlich sollte es sein, in der freien Natur nur Fußspuren zu hinterlassen und nur Fotos und Erinnerungen mitzunehmen. Das gilt natürlich beim Urlaub am Meer. Zigarettenfilter bestehen aus Celluloseacetat, einem schwer abbaubaren Kunststoff. Erst nach vielen Jahrzehnten im Ozean ist er zersetzt.

Setzen Sie auch im Urlaub beim Einkaufen auf Jute- oder Baumwolltaschen. Sehr praktisch sind auch wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher und Strohhalme aus Bambus, Papier oder echtem Stroh. Man kann plastikfreie Zahnbürsten aus Holz oder Bambus einpacken, und wiederverwendbares Besteck macht Plastikbesteck überflüssig.

Beach Cleanup

Auch das ist Meeresschutz im Alltag: beim Strandspaziergang oder bei einem Ausflug mit dem Boot, Kanu oder Stand-up-Board einfach mal den Müll mitnehmen, über den man unterwegs „stolpert“. Vor allem Plastikmüll kann zur tödlichen Gefahr für Wildtiere im Meer und am Land werden. Jedes Teil weniger reduziert die Gefahr.

Meeresschutz im Alltag mit zertifizierter Naturkosmetik

Meeresschutz beim Sonnenschutz!

Zertifizierte Naturkosmetik enthält kein Mikroplastik und keine hormonell wirksamen Bestandteile im Gegensatz zu vielen konventionellen Kosmetik- und Hygieneprodukten. Beim Sonnenschutz auf mineralischen nanofreien Sonnenschutz achten, der schont das Meer und die Korallenriffe, im Gegensatz zu chemischem Sonnenschutz.

Nachhaltiges Whale-Watching

Ausufernder Wal- und Delfinbeobachtungstourismus bedroht an vielen Küsten das Überleben von Walen und Delfinen. Bei Hurghada im Roten Meer ist das massenhafte touristische „Schwimmen mit Delfinen“ mittlerweile zu einer ernsthaften Bedrohung für das Überleben der betroffenen Populationen geworden. Durch die Auswahl eines verantwortungsvoll operierenden Anbieters kann man beim Urlaub am Meer entscheidend dazu beitragen, dass die Begegnung mit Walen und Delfinen in freier Wildbahn nicht zu einer zusätzlichen Belastung und Gefährdung für die Tiere wird. Bringen Sie den wundervollen Meeressäugetieren den Respekt entgegen, den sie verdienen.

Weniger Fisch ist mehr!

Gnadenlos wird mit immer größerem Aufwand auch noch der „letzte Fisch“ aus dem Wasser geholt. Selbst bis in die Tiefsee dringt man heute mit Grundschleppnetzen vor. Dabei zerstören die Netze unwiederbringlich einmalige Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Meeresschildkröten, Haie, Wale und Delfine landen als unerwünschter Beifang im Netz.

Fischen mit Grundschleppnetzen verursacht hohe Beifangraten.
Grundschleppnetzfischerei verursacht bis zu 90 % Beifang – EUO © OCEANA Enrique Talledo

Mit seinem Fischkonsum kann man unmittelbar zum Meeresschutz im Alltag beitragen. Studien der Welternährungsorganisation (FAO) zeigen, dass über 70 % der Bestände kommerzieller Fischarten überfischt oder erschöpft sind. Zum Schutz der Meere ist es daher sinnvoll, weniger und nur Meeresfisch aus nachhaltiger Fischerei zu essen. Auf jeden Fall sollte man auf Fischarten verzichten, deren Fang unselektiv und mit einer hohen Beifangrate verbunden ist.

Industrielle Landwirtschaft

Nach Meinung des Weltbiodiversitätsrates ist die industrielle Landwirtschaft mittlerweile die größte Bedrohung für die globale Biodiversität. Nährstoffe aus übermäßiger Düngung in der industriellen Landwirtschaft gelangen über Flüsse, direkte Einleitung oder über die Luft in die Meere. Ein Überangebot von Stickstoff und Phosphor führt zur Überdüngung (Eutrophierung). Zusammen mit der von der Klimakatastrophe ausgelösten Erhitzung der der Meere kommt es zu explosionsartigem Wachstum von Algen oder Cyanobakterien (Algenblüte). Als Folge einer Algenpest enstehen Todeszonen ohne Sauerstoff. Oder es kommt zur gefürchteten Red Tide. 2014 stellten dänische Forscher fest, dass sich die sogenannten Todeszonen in der Ostsee auf eine Fläche von 60.000 Quadratkilometern ausgebreitet hatten. Es handelte sich um die weltweit größte Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs.

Deshalb hilft der Umstieg auf Bio-Produkte praktizierter Meeresschutz im Alltag. Er hilft der eigenen Gesundheit dem Schutz der Meere und von Meerestieren.

Titelfoto: Fabian Ritter/M.E.E.R. e.V.